Von den ersten urkundlichen Erwähnungen der Familie von Maltzahn bis zur heutigen Wiederbelebung — eine Reise durch die Jahrhunderte.
Die Geschichte von Gültz ist untrennbar mit der Familie von Maltzahn verbunden — einem der ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechter Mecklenburgs und Pommerns. Bereits 1425 werden die von Maltzahn als Besitzer des Gutes Gültz urkundlich erwähnt.
Das Geschlecht der von Maltzahn lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Ihr Wappen zeigt in der rechten Hälfte zwei goldene Hasenköpfe auf blauem Grund und in der linken Hälfte einen roten Weinstock auf goldenem Grund — Symbole, die noch heute die Geschichte des Ortes bezeugen.
Über Jahrhunderte prägten die von Maltzahn nicht nur Gültz, sondern die gesamte Region. Sie waren Gutsherren, Diplomaten, Militärs und Förderer der Künste. Helmuth Freiherr von Maltzahn-Gültz (1840–1923) diente sogar als Oberpräsident der Provinz Pommern und war Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
»Nec timide, nec tumide, sed omnia moderate«
— Nicht furchtsam, nicht verwegen, sondern alles mit Maß
In Blau zwei übereinander stehende goldene abgerissene Hasenköpfe — ein Verweis auf den Besitzerwerb von der Familie Hasenkop
In Gold am Spalt ein entwurzelter roter Weinstock mit einer Traube zwischen zwei Blättern
Sieben goldene Pfähle vor einem Pfauenwedel von sieben Federn
Rechts blau-golden, links rot-golden — die Maltzahnschen Wappenfarben seit dem 13. Jahrhundert
Um 1840 beauftragte die Familie von Maltzahn niemand Geringeren als Peter Joseph Lenné mit der Gestaltung des Schlossparks. Lenné, der berühmte preußische Generaldirektor der königlichen Gärten, hatte zuvor bereits den Tiergarten in Berlin und die Gärten von Sanssouci in Potsdam gestaltet.
Lenné schuf in Gültz einen etwa 15 Hektar großen englischen Landschaftspark, der noch heute als eines der bedeutendsten Gartenkunstwerke der Region gilt. Charakteristisch für seine Gestaltung ist das imposante Winterlinden-Oval, das den Blick auf das spätere Herrenhaus rahmt.
Der Park besticht durch seine meisterhaft angelegten Sichtachsen, die das Zusammenspiel von Architektur und Natur inszenieren. Seltene Baumarten, die Lenné eigens auswählte, prägen bis heute das Bild und machen jeden Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis.
»Während der Kriegszeit ruhte die Bautätigkeit, das Haus war unter Dach, und die Fenster waren mit Mauersteinen zugesetzt. Nach dem Friedensschlusse wurde der Bau vollendet und im Jahre 1872 bezogen.«— Helmuth Freiherr von Maltzahn-Gültz, aus seinen Memoiren
Helmuth Freiherr von Maltzahn-Gültz (1840–1923) beschloss 1868, dem Gutsbesitz ein würdiges architektonisches Zentrum zu geben. Er beauftragte Georg Daniel, den angesehenen mecklenburgischen Baurath und späteren Geheimen Oberbaurat, mit dem Entwurf eines repräsentativen Herrenhauses.
Daniel schuf ein imposantes Gebäude im Stil norditalienischer Villen der Renaissance — ein Architekturstil, der in Mecklenburg seinesgleichen sucht. Das Herrenhaus erhebt sich über vier Geschosse und verfügt über 122 Räume auf einer Gesamtfläche von 2.278 Quadratmetern.
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 unterbrach die Bauarbeiten. Wie Helmuth von Maltzahn in seinen Memoiren berichtet, wurde das Haus während dieser Zeit "unter Dach" gebracht und die Fenster zum Schutz mit Mauersteinen zugesetzt. Nach dem Friedensschluss wurde der Bau vollendet und 1872 bezogen.
15. Januar 1829 Rehna — 8. April 1913 Schwerin
Geheimer Oberbaurat und bedeutendster Architekt Mecklenburgs im Historismus. Schuf neben Schloss Gültz auch das Hoftheater Schwerin (1883–1886) und zahlreiche weitere bedeutende Bauten.
Fotos: Jörg Blobelt 2004 (CC BY-SA 4.0) · Lithografie: Sammlung Duncker 1873
Mit der Bodenreform 1945 endete die über 500-jährige Geschichte der Familie von Maltzahn auf Gültz. Wie viele Adelsfamilien in der sowjetischen Besatzungszone wurden auch die von Maltzahn enteignet und mussten ihren Stammsitz verlassen.
Das Schloss diente in der Nachkriegszeit zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Später wurde es in Wohnungen aufgeteilt und mehrere Familien fanden hier ihr Zuhause.
Trotz der wechselvollen Geschichte und der verschiedenen Nutzungen blieb die Substanz des Gebäudes weitgehend erhalten. Der Lenné-Park verwilderte zwar im Laufe der Jahrzehnte, bewahrt aber noch heute seine grundlegende Struktur und viele der ursprünglichen Gehölze.
Heute steht Schloss Gültz vor dem vielleicht aufregendsten Kapitel seiner langen Geschichte. Mit großem Respekt vor der Vergangenheit und einem klaren Blick in die Zukunft wird das historische Herrenhaus behutsam für neue Nutzungen erschlossen.
Ab Mai 2026 öffnet das Schloss seine Türen als exklusive Location für Filmproduktionen, Hochzeiten, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen. Die authentische historische Atmosphäre, die 122 Räume und der wiedererwachende Lenné-Park bieten einen einzigartigen Rahmen für besondere Anlässe.
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