✦ Gartendenkmal seit 1840 ✦
Lenné-Park
Ein Meisterwerk preußischer Gartenkunst von Peter Joseph Lenné
Wem gehört der Park – und wer kümmert sich?
Zu Schloss Gültz gehört heute nur ein sehr kleiner Teil des historischen Lenné-Parks: das Herrenhaus mit seinem unmittelbaren Umfeld. Das Schlossgrundstück ist laut Liegenschaftskataster rund 2,2 Hektar groß – Haus, Hof- und Gartenflächen und ein kleiner Teich. Der weitaus größere Teil des einstigen Gutsparks liegt bei der Gemeinde Gültz und bei privaten Eigentümern; im Norden und Osten ist der alte Park seit Jahrzehnten mit Wohnhäusern bebaut.
Wie es um das Gartendenkmal steht, hat die Hochschule Neubrandenburg genau untersucht. Die Masterarbeit von Lutz Mecke und Norman Kühn (Bestandserfassung 2010, veröffentlicht 2011) stellte fest: Der einstige Hirschpark ist durch Aufforstung und Wildwuchs zu Wald geworden, das „Aha“ nur noch in Fragmenten erhalten, der Windharfenteich nahezu verlandet, das Lindenrondell kaum noch erkennbar, der Eiskeller verfällt, und die meisten Lenné-Sichtachsen sind nicht mehr nachweisbar. Zur Pflege heißt es dort: „geplante Pflegemaßnahmen oder gar Lichtungen des Gehölzbestandes“ seien „nicht zu erkennen“. Die Arbeit empfahl, Sichtachsen freizustellen, den Windharfenteich auszubaggern, Eiskeller und Geflügelhaus zu restaurieren und den Hirschpark als beweideten Hutewald zu entwickeln. Im Herbst 2023 kam die Hochschule erneut: Studierende des Studiengangs Landschaftsarchitektur (Lehrgebiet Gartendenkmalpflege) überarbeiteten im Wintersemester 2023/24 die Bestandsaufnahme vor Ort und schrieben die denkmalpflegerische Zielstellung für den Park fort. Im Sommersemester 2024 nahm auch die Hochschule Wismar (Fakultät Gestaltung, Modul „Sanierung und Denkmalpflege“) Gültz als Studienort: Die Studierenden analysierten Nutzung und Gebäudetypen des Dorfes, den Wandel des Ortes auf Karten von 1888 bis 1995 sowie Landschaft und Wirtschaft – vom Schloss über Eiskeller und Geflügelhaus bis zum Pferdestall. Das Wissen, was zu tun wäre, ist also da. Umgesetzt ist davon nach unserer Beobachtung bis heute kaum etwas.
Die Gemeinde selbst steht finanziell unter großem Druck: Ihr Haushalt 2026 weist ein Defizit von rund 333.000 Euro aus, und der Landrat hat im Juni 2026 angeordnet, dass sie freiwillige Aufgaben nur noch im unaufschiebbaren Umfang finanzieren darf. Für die Pflege des Parks bleibt unter diesen Bedingungen kaum Spielraum.
„Ich pflege unseren Teil des Parks allein und auf eigene Kosten. Einen erkennbaren Willen, dieses Kleinod als Ganzes zu erhalten, sehe ich bei der Gemeinde derzeit nicht. Ein Lenné-Park ist ein Gartendenkmal von Rang – er braucht Menschen, die sich kümmern. Wer helfen möchte, mit Zeit, Wissen oder Geld, ist herzlich willkommen.“
— Michael Schneider, Schloss Gültz · Unterstützen & Förderverein
Quellen: Mecke/Kühn 2011 (s. u.), S. 6, 24–40, 46–56; Haushaltssatzung der Gemeinde Gültz für 2026 mit rechtsaufsichtlicher Anordnung des Landrats des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte vom 11.06.2026 nach § 82 Abs. 1 KV M-V, bekannt gemacht über das Amt Treptower Tollensewinkel.
Peter Joseph Lenné
Im Jahre 1840 beauftragte Axel Freiherr von Maltzahn den berühmtesten Gartenarchitekten Preußens mit der Gestaltung des Schlossparks: Peter Joseph Lenné, Generaldirektor der königlichen Gärten zu Potsdam und Schöpfer des Tiergartens in Berlin.
Lenné entwarf einen Landschaftspark im englischen Stil, der sich südlich und östlich des später errichteten Herrenhauses erstreckt. Die malerischen Teiche gliedern das Gelände und schaffen reflektierende Wasserflächen im romantischen Sinne.
Der Park gehört zur größten Konzentration von Lenné-Parks in Deutschland – gemeinsam mit den benachbarten Gütern Broock, Kartlow, Kruckow, Plötz, Tentzerow und Wietzow bildet er eine einzigartige Gartenlandschaft im Tollensetal.
Peter Joseph Lenné
1789–1866
Generaldirektor der
Königlichen Gärten zu Potsdam
„Peter Joseph Lenné und die Gutsherren schufen damit im Tollensetal ein bis heute erhaltenes, herausragendes Beispiel der preußischen Landesverschönerung des 19. Jahrhunderts. Es muss als pommersches Pendant zur Schlösserlandschaft Potsdam gewürdigt und ungestört erhalten werden."
— Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock: „Peter Joseph Lenné und das pommersche Tollensetal – Ein Frühwerk der preußischen Landesverschönerung", in: Pommern – Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 2/2025, S. 23
Die drei Teiche
Zentrale Gestaltungselemente des Lenné-Parks
Schlossteich
Der größte der drei Teiche liegt unmittelbar südlich des Herrenhauses. Colorado-Tannen und alte Linden säumen sein Ufer. Schwäne beleben die Wasserfläche.
Windharfenteich
Mit seiner markanten Landzunge schafft dieser Teich malerische Ausblicke. Der Name verweist auf eine einst hier aufgestellte Äolsharfe – ein romantisches Klanginstrument.
Rosenteich
Der kleinste Teich besitzt eine kleine Insel – ein typisches Element romantischer Gartengestaltung. Seerosen bedecken im Sommer seine Oberfläche.
Der Park aus der Luft · 1925
Die Lenné-Anlage im Luftbild
Schrägluftbild 1925 – Lennés „Verschönerungsplan für Gültz" (1840) wird in der Plankammer der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verwahrt
Sichtachsen
Weitläufige „Points de vue" über das Tollensetal
Geschwungene Wege
Natürlich wirkende Wegeführung im englischen Stil
Baumgruppen
Malerisch komponierte Gehölzpflanzungen
Historischer Baumbestand
Viele der von Lenné gepflanzten Gehölze haben die Zeiten überdauert
Colorado-Tanne
Abies concolor
Mehrere stattliche Exemplare am Schlossteich. Die silbrig-blauen Nadeln kontrastieren malerisch mit dem dunklen Wasser.
Sumpfzypresse
Taxodium distichum
Direkt am Teichufer. Ihre charakteristischen „Kniewurzeln" ragen bei Niedrigwasser aus dem Schlamm.
Blutbuche
Fagus sylvatica 'Purpurea'
Mehrere mächtige Exemplare als Solitäre. Ihr dunkelrotes Laub setzt dramatische Akzente im Grün des Parks.
Platane
Platanus × hispanica
Über 150 Jahre alte Bäume mit charakteristischer Schuppenrinde. Beliebte Solitäre in Lenné-Parks.
Tulpenbaum
Liriodendron tulipifera
Nordamerikanischer Exot mit tulpenförmigen Blüten im Juni. Zeugnis des gehobenen Gestaltungsanspruchs.
Pyramideneiche
Quercus robur 'Fastigiata'
Säulenförmig wachsende Eiche als markanter vertikaler Akzent – typisch für Lenné-Gärten.
Geschichte des Parks
Lenné-Verschönerungsplan
Axel Freiherr von Maltzahn beauftragt Peter Joseph Lenné mit einem „Verschönerungsplan" für das Gut Gültz. Lenné erstellt in diesem Jahr elf Verschönerungspläne für pommersche Güter – namentlich überliefert sind Broock, Gültz, Kartlow, Kruckow, Neuensund, Rottmannshagen, Sarow und Zarrenthin (Sabine Bock, Pommern 2/2025, S. 19).
Anlage des Parks
Der Landschaftspark wird nach Lennés Plänen angelegt. Die drei Teiche werden ausgehoben, Sichtachsen geschlagen und erste Gehölzpflanzungen vorgenommen.
Bau des Herrenhauses
Helmuth Freiherr von Maltzahn lässt das heutige Herrenhaus durch Baurath Georg Daniel errichten. Der Park wird an das neue Schloss angepasst.
Der Bauherr als Gärtner
Nach seinem Rücktritt als Staatssekretär lebt Helmuth von Maltzahn sieben Jahre ganz in Gültz. Vor allem der Garten liegt ihm am Herzen: „er ging fast nie ohne Handsäge in den Park, schalmte Bäume an, schnitt Zweige aus“ (Pommersche Lebensbilder, 1936). Hinter dem Äolsharfen- oder Windharfenteich begann der eingezäunte Tiergarten.
Letzte Kriegsmonate
Im Februar 1945 wird die Kegelbahn im Park beschlagnahmt, um 1,5 Millionen Rentenakten aus Ostpreußen zu lagern; nach dem Einmarsch der Roten Armee brennt sie ab. Im Tiergarten werden Kisten mit Familiensilber vergraben. Mehr im Archiv
Enteignung
Die Familie von Maltzahn wird im Zuge der Bodenreform enteignet. Der Park verfällt in den folgenden Jahrzehnten zunehmend.
Denkmalschutz
Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hört zur Unterschutzstellung des Schlossparks als Gartendenkmal nach § 2 DSchG M-V an (25.03.2021). Ein Pflege- und Wiederherstellungskonzept für den Gesamtpark gibt es bis heute nicht.
Neue Bestandsaufnahme
Studierende der Hochschule Neubrandenburg (Landschaftsarchitektur, Gartendenkmalpflege) erfassen den Park im Wintersemester 2023/24 erneut und schreiben die denkmalpflegerische Zielstellung von 2010/11 fort.
Wiedererwachen
Auf dem kleinen Teil, der zu Schloss Gültz gehört, pflegen wir den Park Schritt für Schritt aus eigener Kraft. Für den großen Rest fehlt bislang ein Pflegekonzept – mehr dazu oben.
Der Park im Familienalbum
Ein Fotoalbum der Familie zeigt den Park, wie er vor 1945 aussah. Die Unterschriften stammen von der Hand des Albums selbst und sind hier wörtlich wiedergegeben. Wer das Album angelegt hat und wann die Fotos entstanden, ist nicht vermerkt.




Die Orte sind heute noch auffindbar. Wer sie sehen möchte: Führungen durch Schloss und Park auf Anfrage.
Der Park in Bildern
Den Park erleben
Der Lenné-Park ist Teil des Ensembles Schloss Gültz und kann im Rahmen von Führungen oder bei Veranstaltungen besichtigt werden.
Quellen & Literatur
• Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock: Peter Joseph Lenné und das pommersche Tollensetal – Ein Frühwerk der preußischen Landesverschönerung, in: Pommern – Zeitschrift für Kultur und Geschichte, 64. Jg., Heft 2/2025, S. 18–23
• Harri Günther, Sibylle Harksen: Peter Joseph Lenné. Pläne für Stadt und Land. Bestandskatalog der Lennépläne in der Plankammer der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Teil III: Stadt und Land, Potsdam 1990
• Lutz Mecke, Norman Kühn: Gültz – Schlosspark. Bestandserfassung – Entwurf – Erhaltung, Master-Thesis Hochschule Neubrandenburg, Fachbereich Landschaftswissenschaften und Geomatik (Betreuung Prof. Dr.-Ing. Elke Mertens, Dipl.-Ing. Stefan Pulkenat), Januar 2011 – online
• Hochschule Neubrandenburg, Studiengang Landschaftsarchitektur, Lehrgebiet Gartendenkmalpflege: Fortschreibung der denkmalpflegerischen Zielstellung für den Schlosspark Gültz, Wintersemester 2023/24 (Bestandsaufnahme vor Ort im September 2023; unveröffentlicht)
• Haushaltssatzung der Gemeinde Gültz für das Haushaltsjahr 2026 (beschlossen 10.03.2026) mit rechtsaufsichtlicher Anordnung vom 11.06.2026, Amt Treptower Tollensewinkel
• Alexander Duncker: „Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen", Band XIII, Blatt 763 (1873)
• Pommersche Lebensbilder, Band II, S. 266–280 (1936)
• Liegenschaftskataster Mecklenburg-Vorpommern: Flurstücksnachweis Gemarkung Gültz, Flur 14 (Schlossgrundstück, amtliche Fläche 22.103 m²)
• Unveröffentlichte Familienchronik „Gültz – Aus dem Leben meiner Vorfahren“ (Privatbesitz)
• Lenné-Plan, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG 3483 (1840)
• Messtischblatt 2245 Gültz, Königlich Preußische Landesaufnahme (1886)
• Anhörung Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zum Denkmalschutz (25.03.2021)