Über die Jahrhunderte, in denen die Familie von Maltzahn in Gültz lebte, gibt es Urkunden, Karten und Briefe. Über die letzten Monate gibt es vor allem Erinnerungen, die in der Familie weitergegeben und später aufgeschrieben wurden. Wir fassen hier in allgemeiner Form zusammen, was sich in und um das Haus zugetragen hat.

Ein Gutsbetrieb im Krieg
Gutsherr war Helmuth Freiherr von Maltzahn (1900–1984), ein Enkel des Schlossbauherrn. Er bewirtschaftete Gültz und Hermannshöh, seit 1940 lebte die Familie im Schloss. Wie überall auf dem Land fehlten im Krieg Arbeitskräfte, Treibstoff und Material; der Betrieb lief mit Zugochsen weiter.
Sommer 1944
Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 geriet auch der Gültzer Gutsherr in das Visier der Gestapo: Er wurde verhaftet, die Güter wurden unter Zwangsverwaltung gestellt. Im September 1944 kam er wieder frei. Anfang 1945 kehrte er in die Wehrmacht zurück, geriet im Februar 1945 in sowjetische Gefangenschaft und kam erst 1948 frei.

Ein Haus voller Fremder
Im letzten Kriegswinter wurde das Schloss zur Sammelstelle für Flüchtlinge im Kreis Demmin. Zeitweise lebten im Haus und im Wirtschaftshaus rund 200 Menschen aus dem Osten, viele krank, erschöpft und hungrig. Dazu kamen Einquartierungen von Truppen und Dienststellen; die Kegelbahn im Park diente als Lager für ausgelagerte Akten. Die Last der Versorgung trug die Hausherrin weitgehend allein.
Abschied von Gültz
Die jüngeren Kinder wurden Anfang 1945 zu Verwandten nach Niedersachsen gebracht. Im April 1945 verließ auch die Hausherrin Gültz; kurz darauf rückte die Rote Armee ein. In den folgenden Monaten wurde das Haus mehrfach geplündert. Dabei gingen die Bibliothek und das umfangreiche Gutsarchiv verloren, das schon der Schlossbauherr planvoll erweitert hatte. Mit der Bodenreform wurde die Familie entschädigungslos enteignet; das Haus nahm Umsiedlerfamilien auf und wurde später Berufsschule.

Was davon bleibt
Vieles lässt sich in Gültz noch finden: die Allee, den Saal, die Diele, den Teich, den Tiergarten. Anderes ist verloren – das Archiv, die Bibliothek, große Teile der Ausstattung. Mit der Familie blieb das Haus über die Jahrzehnte verbunden. Wer mehr erfahren möchte: Die Räume vor 1945 · Geschichte · Der Lenné-Park.
Besitzen Sie Briefe, Fotos oder Erinnerungen an Gültz aus dieser Zeit – etwa von Flüchtlingsfamilien, die 1945 im Schloss untergekommen waren? Wir freuen uns über jeden Hinweis: schlossgueltz@gmx.de
Quellen: Unveröffentlichte Familienchronik „Gültz – Aus dem Leben meiner Vorfahren“ (Privatbesitz); Aufzeichnungen aus der Familie zur Zeit 1944/45 (Typoskript, Privatbesitz), in allgemeiner Form zusammengefasst. Aus Rücksicht auf die Familie verzichten wir auf persönliche Einzelheiten.