Schloss Gültz
Wappen von Maltzahn-Gültz
Schloss Gültz
Historisches Herrenhaus · Anno MDCCCLXXII
Sprache · Language · Język
27. September 202613 Min. Lesezeit

Unterwegs und daheim – Stationen der Familie von Maltzahn-Gültz

Wo waren die Schlossherren von Gültz, wenn sie nicht in Gültz waren? Kurlisten, Zeitungsmeldungen und ein eigenhändiger Brief an Otto von Bismarck erlauben einen Blick auf die Reisen und Aufenthalte der Familie von Maltzahn – und darauf, wie sehr Gültz dabei immer der Bezugspunkt blieb.

1840 – Ein Park für Gültz

Handgezeichneter Verschönerungsplan für den Park von Gültz auf vergilbtem Transparentpapier mit Wegen, Baumgruppen und Gutsgebäuden, Stempel der Königlichen Hof-Garten-Direction Sanssouci
„Verschönerungs-Plan von Gültz, Baron v. Maltzahn, d. 19/11 40“ – Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Plansammlung 3483.

Am Anfang steht ein Blatt Papier. Datiert auf den 19. November 1840 und beschriftet „Verschönerungs-Plan von Gültz – Baron v. Maltzahn“, ist es in der Plankammer der königlichen Gärten von Sanssouci überliefert. Auftraggeber war Axel von Maltzahn, der Vater unseres späteren Bauherrn; der Entwurf stammt von Peter Joseph Lenné. Geschwungene Wege, locker gesetzte Baumgruppen und weite Wiesenräume rund um den Gutshof – das ist die Grundform des Landschaftsparks, durch den unsere Gäste heute noch spazieren. Das Schloss selbst gab es damals noch nicht: Es entstand erst 1868 bis 1872 unter Helmuth Freiherr von Maltzahn, der im Jahr des Parkplans, am 6. Januar 1840, in Gültz geboren worden war. Mehr zum Lenné-Park.

1856 bis 1867 – Heidelberg, Koblenz, Wetzlar

Lange bevor Gültz sein Lebensmittelpunkt wurde, war Helmuth von Maltzahn viel unterwegs. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1841 heiratete seine Mutter 1849 Hermann von Heyden auf Leistenow und Cadow; so bekam der Junge zwei ältere Stiefbrüder, Ernst und Wilhelm von Heyden. Mit 16 Jahren hatte er das Abitur in Wittenberg in der Tasche und ging zum Studium der Rechte zunächst zwei Semester nach Erlangen, dann nach Heidelberg. Dort wurde er im Corps Vandalia aktiv, einer Verbindung, deren Mitglieder damals vor allem aus dem mecklenburgischen Adel und dem Lübecker und Hamburger Großbürgertum kamen – und schon mit 18 Jahren war er ihr Senior, also ihr Sprecher. Auch seine beiden Stiefbrüder trugen das Band der Vandalen; Wilhelm von Heyden-Cadow wurde 1858 aktiv, genau in Helmuths Heidelberger Zeit.

Mit Helmuth begann eine Familientradition: Nach ihm wurden seine Söhne Axel und Helmuth Vandalen, dann drei seiner Enkel, später auch der Schwiegerenkel Ernst-August von der Wense. Corpsbrüder blieben der Familie oft ein Leben lang verbunden – als Freunde, Trauzeugen und Taufpaten.

Nach dem Studium in Berlin führte ihn die Ausbildung für den Staatsdienst quer durch Preußen – und in den Ferien auf Studienreisen in die Schweiz, nach Südfrankreich und Italien; 1862 nutzte er einen Urlaub für eine dreimonatige Reise durch England und Schottland, gemeinsam mit Robert von Puttkamer, dem späteren preußischen Innenminister und Oberpräsidenten von Pommern. Die Stationen: 1860 Auskultator, 1861 Referendar am Kammergericht, ab 1862 Regierungsreferendar in Koblenz und Wetzlar, dann drei Monate beim Landratsamt Anklam, um die Grundsteuer kennenzulernen, und schließlich in Stettin, wo er Einblick in die staatliche Domänenverwaltung bekam. Das Assessorexamen legte er 1866 bei Ausbruch des Krieges gegen Österreich in Uniform ab und zog anschließend mit den Pasewalker Kürassieren ins Feld. 1867 verließ er als Regierungsassessor den Staatsdienst, heiratete Anna von Rohrscheidt und widmete sich ganz seinen Gütern – der Beginn des neuen Gültz.

1871 bis 1893 – Zwischen Gültz und Berlin

Mit der Wahl in den ersten Reichstag 1871 begann ein Leben auf zwei Bühnen. Für die Berliner Zeiten ließ sich die Familie 1872/73 eine Villa in der Derfflingerstraße im Tiergartenviertel bauen – sie steht bis heute und trägt eine Gedenktafel; verkauft wurde sie erst 1901. Die Wege zwischen Gültz und der Hauptstadt waren kurz: Seit seiner Ernennung zum Staatssekretär genügte ein Anruf in Berlin, und der D-Zug hielt eigens in Gültz. Wie oft die Familie reiste, verrät eine rührende Einzelheit: Anna von Maltzahn kannte die Kofferträger am Stettiner Bahnhof mit Namen, schickte jedem zu Weihnachten ein Paket – und als sie 1913 starb, kam zu ihrer Beisetzung ein großer Kranz mit der Schleife „In Dankbarkeit die Kofferträger vom Stettiner Bahnhof in Berlin“.

1888 – Von Gültz ins Reichsschatzamt

Zeitungsausschnitt in Frakturschrift: Meldung aus Berlin vom 14. September 1888 über die Ernennung des Freiherrn von Maltzahn-Gültz zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes
„Linzer Tages-Post“, 16. September 1888, S. 5 – Meldung aus Berlin über die Ernennung.

Im September 1888 ging die Nachricht bis nach Österreich: Der „Freiherr v. Maltzahn-Gültz“ werde Staatssekretär des Reichsschatzamtes – Finanzminister des Deutschen Reiches – mit dem Titel eines Wirklichen Geheimen Rates und dem Prädikat „Excellenz“. Die „Linzer Tages-Post“ bemerkte, der „hochconservative Parlamentarier“ sei nicht wie seine Vorgänger die bürokratische Stufenleiter emporgestiegen, und urteilte über den 48-Jährigen: „persönlich liebenswürdig, ein gewandter Redner“. Bemerkenswert ist der Name: Schon damals trug Maltzahn sein Gut im Namen – Maltzahn-Gültz.

1890 – Ein Brief aus Berlin: „später in Gültz in Pommern“

Handschriftlicher Brief, Seite 1, Anrede Euer Durchlaucht
Handschriftlicher Brief, Seite 3, mit der Zeile Gültz in Pommern
Handschriftlicher Brief, Schlussseite mit Ortsangabe Berlin, 14. August 1890, und Unterschrift v. Maltzahn-Gültz

Brief Helmuth von Maltzahn-Gültz an Fürst Otto von Bismarck, Berlin, 14. August 1890 – Seiten 1, 3 und 4. Bismarck-Archiv, Friedrichsruh, Bl. 141–144.

Im März 1890 war Bismarck als Reichskanzler entlassen worden. Ende Mai hatte er Maltzahn nach Friedrichsruh eingeladen, „wenn wir dem amtlichen Verkehr den geselligen könnten folgen lassen“. Am 14. August 1890 griff der Staatssekretär die Einladung auf: Er trete in der kommenden Woche einen sechswöchigen Urlaub an und würde den Fürsten nach dessen Kissinger Kur gern besuchen, „in Friedrichsruh, Varzin oder wo Eure Durchlaucht sonst befehlen würden“. Nur Ende August und Ende September müsse er womöglich in „Etatssachen“ nach Berlin zurück.

Dann folgt die Zeile, die uns besonders freut:

„Ein Brief trifft mich bis zum 21. d. M. aber hier, später in ‚Gültz in Pommern‘.“

Der Sommerurlaub des Finanzministers führte also nach Hause – nach Gültz. Auch Anna von Maltzahn kommt vor: Sie lasse sich der Fürstin empfehlen, und wie gern sie ihren Mann begleiten würde, „bedarf wohl keines Wortes“. Unterschrieben ist der Brief „in unwandelbarer Dankbarkeit“ mit „v. Maltzahn-Gültz“; ein Vermerk oben rechts („exp. 20.8.90“) hält fest, dass am 20. August geantwortet wurde. Am 10. September 1890 folgte aus Varzin die Einladung auf Bismarcks pommersches Gut – samt Reiseplan: Maltzahn solle nicht in Köslin, sondern besser in Stettin übernachten und sich vorher telegrafisch ankündigen, damit man ihn an der Station Hammermühle abhole. „Jedenfalls freuen wir uns herzlich, Sie hier zu sehn.“ Der Besuch in Varzin fand statt, so hält es die Familienüberlieferung fest. Mehr über die Freundschaft zwischen Maltzahn und Bismarck.

1897 – Frühjahr in Karlsbad

Ausschnitt aus der Karlsbader Kurliste 1897, Eintrag 651: Herr Staatssecretär a. D. Helmuth Freiherr von Maltzahn mit Frau und Bedienung, Gültz, Quisisana, Marienbaderstrasse, 3 Personen
„Karlsbader Kurliste“ Nr. 10, ausgegeben am 13. April 1897 – Eintrag Nr. 651, angekommen am 9. April.

Am 9. April 1897 kamen Helmuth und Anna von Maltzahn im böhmischen Weltbad Karlsbad an. Die amtliche Kurliste verzeichnet: „Herr Staatssecretär a. D. Helmuth Freiherr von Maltzahn mit Frau und Bedienung“ – Wohnort Gültz, Unterkunft im Haus „Quisisana“ in der Marienbaderstraße, drei Personen. Die Zeitschrift „Hygiea“ griff die Ankunft wenige Tage später in ihrer Übersicht der vornehmen Kurgäste auf, zwischen Grafen, Generälen und einem Wirklichen Staatsrat aus Moskau: „Staatssecretär Freih. v. Maltzahn mit Gemalin, Gültz“. Im Juni desselben Jahres reiste Maltzahn mit seinen Söhnen nach Friedrichsruh. Bismarcks Arzt bat, den Besuch des kranken Fürsten kurz zu halten, und schlug eigens den Schnellzug aus Hamburg vor, der in Friedrichsruh halten sollte. Es wurde die letzte Begegnung der beiden. Ansonsten lebten Helmuth und Anna von Maltzahn nach dem Abschied aus dem Reichsdienst 1893 sieben Jahre ganz in Gültz.

Zeitungsausschnitt aus der Hygiea 1897 mit der Liste vornehmer Kurgäste in Karlsbad, am Ende Staatssecretär Freih. v. Maltzahn mit Gemalin, Gültz
„Hygiea“ Nr. 8, 1897, S. 6 – Rubrik „Aus den Curorten und Verkehrscentren“.

1900 bis 1911 – Im Stettiner Schloss

Ende 1899 wurde Helmuth von Maltzahn zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern ernannt – ein Amt, das er sich in seiner Heimatprovinz lange gewünscht hatte. Mit ihm kam die Residenzpflicht: Die Maltzahns wohnten nun im Stettiner Schloss und gaben dort jeden Winter in den königlichen Räumen große Tanzgesellschaften. Kamen Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria mit dem Hofzug zu Besuch, wohnten sie ebenfalls im Schloss; der Oberpräsident holte sie mit eigenem Gespann ab. Der Kaiser soll beim Blick auf die Pferde gesagt haben: „Donnerwetter, Maltzahn fährt bessere Pferde als ich!“ Mehrfach fuhr Maltzahn im Gefolge des Kaisers auf dem Kaiserschiff die Oder hinab – in den 1890er Jahren beim Besuch Kaiser Franz Josephs und erneut 1900.

Efeubewachsener Schlossflügel mit achteckigem Turm, auf der Freitreppe zwei Personen
„Stettiner Schloss mit den Großeltern Helmuth Maltzahn-Gültz und Anna geb. v. Rohrscheidt“ – so die spätere Beschriftung auf der Rückseite. Auf der Treppe vor dem efeubewachsenen Flügel das Ehepaar, also zwischen 1900 und 1911. Archiv Schloss Gültz.

Ein gemeiner Kürassier an der Kaisertafel

Maschinenschriftliches Blatt: Bericht vom alten Onkel Helmuth Maltzahn, Gültz, über eine Festtafel im Stettiner Schloss und eine Oderfahrt mit Kaiser Franz Joseph
„Bericht vom alten Onkel Helmuth Maltzahn, Gültz“: spätere maschinenschriftliche Abschrift einer Erinnerung des Schlossbauherrn. Archiv Schloss Gültz.

Von einer dieser Oderfahrten hat Helmuth von Maltzahn selbst eine Geschichte aufgeschrieben, die er „für preußische Zustände charakteristisch“ nannte. Beim Besuch Kaiser Franz Josephs in den 1890er Jahren gab es eine Festtafel im Stettiner Schloss. Eingeladen waren auch die Inhaber der ritterschaftlichen Erbämter, darunter Maltzahns Gutsnachbar und Großneffe, Herr von Heyden-Linden auf Tützpatz. Der junge Mann diente gerade als Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Kürassieren, und zwar noch als einfacher Soldat. Er fragte Maltzahn um Rat. Der meinte, eine solche Einladung sei ein Befehl, er solle aber seinen Regimentskommandeur fragen. Der Kommandeur, Graf Klinkowström (verheiratet mit Maltzahns Nichte Elma Behr-Negendank), entschied: hingehen, aber im Kommissanzug, nicht in Extrauniform; den Helm habe er im Zimmer abzunehmen.

Ein gemeiner Kürassier in den Festräumen sorgte für Aufsehen; zuerst wollte man ihn nicht in den Remter lassen. Dann bekam er doch seinen Platz an der königlichen Tafel. Nach dem Essen stellte ihn Oberpräsident von Puttkamer den Majestäten vor. Wilhelm II. kannte Heyden-Linden als früheren Senior des Bonner Corps Borussia, in dem er selbst Mitglied war. Er ließ ihn erst eine Weile stramm stehen, sprach dann freundlich mit ihm und stellte ihn, so Maltzahns Erinnerung, Kaiser Franz Joseph vor. Die Österreicher staunten.

Bei der Oderfahrt saß Heyden auf dem Schiff der kaiserlichen Herrschaften und rauchte eine große Zigarre, die er vom Tisch mitgenommen hatte. Ein Stabsoffizier, der die Szene im Schloss verpasst hatte, rief dem einfachen Kürassier zu: „Ordonnanz, geben Sie mir mal Feuer!“ Er wurde etwas verlegen, als Geheimrat Graf Adalbert Dohna dazutrat und fragte: „Darf ich die Herren bekannt machen?“ Tützpatz liegt übrigens nur wenige Kilometer von Gültz entfernt und gehört heute zu unseren Tourenzielen.

Auch als Oberpräsident blieb er in Berlin präsent – so im Januar 1905 zum Kapitel des Johanniterordens, das Prinz Albrecht von Preußen als Herrenmeister in seinem Berliner Palais abhielt. Die Wiener Zeitschrift „Sport & Salon“ nennt unter den Teilnehmern den „Wirkl. Geh. Rat Oberpräsident Dr. Freih. von Maltzahn“. Der Orden blieb ihm ein Lebensthema: in den 1890er Jahren übernahm er als Kommendator die Leitung der Pommerschen Genossenschaft, 1916 wurde er Kanzler des Ordens und blieb es bis zu seinem Tod.

Zeitungsausschnitt: Prinz Albrecht von Preußen hielt als Herrenmeister des Johanniterordens in seinem Berliner Palais ein Ordenskapitel ab; unter den Teilnehmern Wirkl. Geh. Rat Oberpräsident Dr. Freih. von Maltzahn
„Sport & Salon“ (Wien), Januar 1905, Rubrik „Von fremden Höfen“.

Auch außerhalb Stettins begegnete er dem Kaiser: Anfang September 1910 meldeten Zeitungen bis nach Linz seine Festrede beim Festmahl im Schützenhaus zu Stolp, an dem Wilhelm II. teilnahm. 1911 nahm Maltzahn seinen Abschied und kehrte endgültig nach Gültz zurück.

1911 bis 1925 – Wieder daheim

Anna von Maltzahn starb 1913 nach 46 Ehejahren; ihre Zimmer in Gültz ließ ihr Mann danach verschlossen und öffnete sie nur noch selten – etwa, um den Enkeln die alte Spieluhr zu zeigen. Eine letzte große Reise führte die ganze Familie 1920 nach Berlin: Zu seinem 80. Geburtstag lud Helmuth von Maltzahn alle Kinder und Enkel ins Hotel Adlon, rund 38 Personen an einer riesigen runden Tafel, an der jeder jeden sehen konnte. Er starb am 11. Februar 1923 in Gültz – dort, wo er geboren war und wohin ihn seine Reisen immer wieder zurückgeführt hatten. Zur Beisetzung kam der Herrenmeister des Johanniterordens, und aus dem Exil in Doorn schickte der Kaiser einen Kranz.

Sieben ältere Herren in Frack und weißer Weste, einige mit Ordenssternen, vor einer Hauswand mit Bäumen im Hintergrund
„Johannitertagung in Gültz, 1921 oder 22“ – so die Beschriftung auf der Rückseite. Die Herren tragen Frack mit Ordenssternen; in der Mitte vermutlich der greise Hausherr, damals Kanzler des Johanniterordens. Archiv Schloss Gültz.
Lithografierte Postkarte: Herrenhaus Gültz von der Hofseite mit Turm, Fahne und den beiden Kanonen auf dem Rasenrondell, Vordruck GÜLTZ IN POMMERN DEN, handschriftlich 24.10.21
Rückseite der Postkarte mit zwei Germania-Marken, Stempel Gültz 25.10.21, Anschrift in Leeds, England, und handschriftlichem Gruß

Hauseigene Postkarte „Gültz in Pommern, den …“ – beschrieben am 24. Oktober 1921, abgestempelt in Gültz am 25. Oktober 1921, adressiert nach Leeds (England).

Wie offen das Haus in diesen Jahren war, zeigt eine kleine Postkarte. Gültz hatte eigene Karten drucken lassen, zum Beispiel eine Lithografie der Hofseite mit den beiden Kanonen auf dem Rondell und dem Vordruck „Gültz in Pommern, den …“. Im Oktober 1921 schrieb ein Gast – er unterzeichnet als „cousin F.“ – auf so einer Karte an eine Verwandte in Leeds: Er sei „wieder in der lieben zweiten Heimat“, denke an die schönen Stunden dort und reise „wahrscheinlich Sonnabend“ wieder ab. Den Gruß schließt er auf Französisch. Gültz war nicht nur Heimat der Familie, sondern auch ein Ort, an den Verwandte immer wieder gern zurückkehrten.

Lithografierte Postkarte: Herrenhaus Gültz von der Parkseite über den Schlossteich gesehen, Vordruck GÜLTZ IN POMMERN DEN, handschriftlicher Gruß am unteren Rand
Rückseite der Postkarte mit 5-Pfennig-Marke, Stempel Gültz 4. März 1925, adressiert an Frau von der Wense in Wense bei Dorfmark (Hannover)

Das zweite Motiv der hauseigenen Karten: die Parkseite über den Schlossteich – abgestempelt in Gültz am 4. März 1925, adressiert an Frau von der Wense in Wense bei Dorfmark.

Es gab mindestens zwei solcher Hauskarten: neben der Hofseite mit den Kanonen auch einen Blick von der Parkseite über den Schlossteich. Eine davon ging am 4. März 1925 von Gültz nach Wense bei Dorfmark in der Lüneburger Heide, an Frau von der Wense. Wer schreibt, verrät nur ein Kürzel; angekündigt wird die Ankunft für „Mittwoch, den 11ten abends 7.52“, dazu Grüße „auch von Mechthild“. Mechthild von Maltzahn (1906–1998), die Enkelin des Bauherrn, gehörte bald selbst zu dieser Familie: 1926 heiratete sie Ernst-August von der Wense, der 1924 das Familiengut in Wense übernommen hatte – die Empfängerin der Karte war vermutlich seine Mutter. Auch er war, wie Mechthilds Großvater, ein Heidelberger Vandale. Knapp zwanzig Jahre später wurde Ellerbruch an der Wingst, wo die von der Wenses später lebten, zur Zuflucht für die Gültzer Kinder, als sie im Frühjahr 1945 vor dem Kriegsende in Sicherheit gebracht wurden.

Die Stationen im Überblick

DatumOrtStationQuelle
19.11.1840GültzVerschönerungsplan für den Park, Auftraggeber Axel v. MaltzahnSPSG, Plansammlung 3483
1856–1860Erlangen, Heidelberg, BerlinJurastudium; in Heidelberg Corps Vandalia, mit 18 Jahren SeniorFamilienchronik; Kulturstiftung
1860–1867Berlin, Koblenz, Wetzlar, Anklam, StettinAuskultator, Referendar, 1866 Regierungsassessor; Krieg 1866 bei den Pasewalker KürassierenWikipedia; Kulturstiftung
1862England, SchottlandDreimonatige Reise mit Robert von PuttkamerPommersche Lebensbilder II (1936)
1868–1872GültzBau des Herrenhauses unter Helmuth Frhr. v. MaltzahnLiteratur
1872/73–1901BerlinVilla in der Derfflingerstraße (Tiergarten) für die Berliner AufenthalteGedenktafel; Familienchronik
14.09.1888BerlinErnennung zum Staatssekretär des ReichsschatzamtesLinzer Tages-Post, 16.09.1888
14.08.1890Berlin → GültzBrief an Bismarck; sechs Wochen Urlaub, Post „später in Gültz in Pommern“Bismarck-Archiv Friedrichsruh
nach dem 10.09.1890Varzin (Hinterpommern)Besuch bei Bismarck, Anreise über StettinBrief Bismarcks 10.09.1890; Familienchronik
1893–1899GültzNach dem Rücktritt sieben Jahre ganz in GültzFamilienchronik
09.04.1897Karlsbad (Böhmen)Kur mit Ehefrau Anna und Bedienung, Haus „Quisisana“Karlsbader Kurliste Nr. 10/1897; Hygiea Nr. 8/1897
Juni 1897FriedrichsruhBesuch mit den Söhnen bei BismarckMaltzahn, Erinnerungen an Bismarck (1915)
1900–1911StettinOberpräsident; Wohnsitz im Stettiner Schloss, Winterbälle, Kaiserbesuche, OderfahrtenLiteratur; Familienchronik
Jan. 1905BerlinKapitel des Johanniterordens im Palais des Herrenmeisters Prinz Albrecht von PreußenSport & Salon, 1905
Anf. Sept. 1910Stolp (Pommern)Festrede beim Festmahl mit Kaiser Wilhelm II.Linzer Volksblatt, 08.09.1910
1911–1923GültzRuhestand in Gültz, gestorben am 11.02.1923Literatur
1920Berlin80. Geburtstag mit Kindern und Enkeln im Hotel AdlonFamilienchronik
24./25.10.1921Gültz → LeedsGast der Familie schreibt auf der hauseigenen Postkarte aus der „zweiten Heimat“Postkarte, Poststempel Gültz
04.03.1925Gültz → Wense (Lüneburger Heide)Hauskarte mit Parkseite, Gruß „auch von Mechthild“ an Frau von der WensePostkarte, Poststempel Gültz

Haben Sie weitere Fundstücke zur Familie von Maltzahn-Gültz – Briefe, Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte? Wir freuen uns über jeden Hinweis: schlossgueltz@gmx.de · Galerie „Familienarchiv“

Quellen: „Bericht vom alten Onkel Helmuth Maltzahn, Gültz“, maschinenschriftliche Abschrift, mit handschriftlichem Begleitvermerk vom 07.01.1987 (Archiv Schloss Gültz), in eigenen Worten wiedergegeben; Karlsbader Kurliste Nr. 10 vom 13.04.1897; Hygiea Nr. 8 (1897), S. 6; Linzer Tages-Post vom 16.09.1888, S. 5; Linzer Volksblatt Nr. 205 vom 08.09.1910, S. 3; Sport & Salon (Wien), Januar 1905, „Von fremden Höfen“ (Digitalisate: ANNO – Historische österreichische Zeitungen, Österreichische Nationalbibliothek); Brief H. Frhr. v. Maltzahn-Gültz an O. Fürst v. Bismarck, Berlin, 14.08.1890, Bismarck-Archiv Friedrichsruh, Bl. 141–144; P. J. Lenné, Verschönerungsplan für Gültz, 19.11.1840, SPSG Plansammlung 3483; H. Frhr. v. Maltzahn in: E. Marcks / K. A. v. Müller (Hrsg.), Erinnerungen an Bismarck, Stuttgart/Berlin 1915, S. 89–118; Pommersche Lebensbilder Bd. II, Stettin 1936, S. 266–280; unveröffentlichte Familienchronik „Gültz – Aus dem Leben meiner Vorfahren“ (Privatbesitz), darin Auszüge aus den Erinnerungen Helmuth von Maltzahns.

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