Schloss Gültz
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Wappen von Maltzahn-Gültz
Schloss Gültz
Historisches Herrenhaus · Anno MDCCCLXXII

Geschichte

Schloss Gültz – ein Kleinod spätklassizistischer Architektur im ehemaligen Kreis Demmin, Provinz Pommern

📍 Historische Lage

Schloss Gültz liegt im ehemaligen Kreis Demmin der preußischen Provinz Pommern. Gültz gehörte bis 1945 zu Pommern und kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu Mecklenburg. Heute befindet sich das Anwesen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern.

Wappen derer von Maltzahn

Das Wappen derer von Maltzahn

Das gespaltene Stammwappen zeigt rechts in Blau übereinander zwei goldene Hasenköpfe und links in Gold am Spalt einen entwurzelten roten Weinstock mit einer Traube zwischen zwei Blättern. Die Wappenfarben sind Blau und Gold.

Die Familie von Maltzahn zählt zum mecklenburgisch-pommerschen Uradel und ist seit 1194 urkundlich belegt. Um 1900 verfügten die Maltzahn über Güter mit einem Umfang von über 44.000 Hektar.

„Nec timide, nec tumide, sed omnia moderate"
– Nicht furchtsam, nicht verwegen, sondern alles mit Maß

Die Familie von Maltzahn-Gültz

Zwei Generationen prägten Schloss Gültz und hinterließen ihre Spuren in der deutschen Geschichte

Helmuth Freiherr von Maltzahn-Gültz

DER VATER · OBERPRÄSIDENT VON POMMERN
* 6. Januar 1840 in Gültz · † 11. Februar 1923 in Gültz

Erbauer von Schloss Gültz (1868-1872). Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Anklam-Demmin (1871-1888), Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Staatssekretär im Reichsschatzamt (1888-1893) auf Vorschlag Bismarcks. Oberpräsident der Provinz Pommern in Stettin (1900-1911). Erblandmarschall von Altvorpommern (1909). Gründer der Historischen Kommission für Pommern. Kanzler des Johanniterordens (1915).

Er besaß das Rittergut Gültz (1.100 ha), Schossow (579 ha), Werder (730 ha) und Wodarg (924 ha) – insgesamt über 3.300 Hektar im Kreis Demmin.

A. Freiherr von Maltzahn-Gültz
Kgl. Preuß. Wirklicher Geheimer Rat
Oberpräsident der Provinz Pommern

Axel Freiherr von Maltzahn

DER SOHN · GEHEIMER OBERREGIERUNGSRAT
* 17. Februar 1868 in Gültz · † 3. März 1931 in Gültz

Ältester Sohn des Oberpräsidenten. Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg (Corps Vandalia). Landrat des Kreises Grimmen (1900-1910). Geheimer Oberregierungsrat und Vortragender Rat im Preußischen Landwirtschaftsministerium. Leitete die deutsche Ernährungswirtschaft im Ersten Weltkrieg. Im Ruhestand Rittergutsbesitzer auf Gültz. Ehrenkommendator der Pommerschen Genossenschaft des Johanniterordens (1923).

Heiratete 1898 Helene von Platen. Sechs Kinder, darunter Sohn Helmuth, der das Gut bis 1945 weiterführte.

Axel Freiherr von Maltzahn
Geheimer Regierungsrat
und vortragender Rat im Ministerium
für Landwirtschaft, Domänen und Forsten
Berlin-Lichterfelde, Bahnstraße 24

Zeittafel

1194

Erste urkundliche Erwähnung

Bernhardus de Mulsan wird als erster der Familie urkundlich genannt – bischöflich ratzeburgischer Lehensträger.

1496

Gültz im Besitz der Maltzahn

Otto von Maltzahn verkauft Gültz an Behrend von Maltzahn für 2.250 Gulden. Das Gut bleibt fortan über 450 Jahre in Familienbesitz.

1840

Lenné-Park angelegt

Im Auftrag von Axel von Maltzahn entwirft der preußische General-Gartendirektor Peter Joseph Lenné einen englischen Landschaftspark.

1868–1872

Bau des Herrenhauses

Helmuth Freiherr von Maltzahn lässt das klassizistische Herrenhaus durch den Schweriner Distriktbaumeister Georg Daniel errichten. Das Fundament aus gewaltigen Findlingen, der größte mit 43 Kubikmetern.

1871

Einzug in den Reichstag

Mit 31 Jahren wird Helmuth von Maltzahn für den Wahlkreis Anklam-Demmin in den ersten deutschen Reichstag gewählt.

1888

Staatssekretär unter Bismarck

Auf Vorschlag Bismarcks wird Maltzahn Staatssekretär im Reichsschatzamt – er behält ein enges Verhältnis zum Reichskanzler.

1900–1911

Oberpräsident von Pommern

Als höchster Verwaltungsbeamter der Provinz residiert Maltzahn in Stettin. Er fördert Handel, Eisenbahnbau und Küstenbefestigung.

1923

Tod Helmuth von Maltzahns

Helmuth von Maltzahn stirbt mit 83 Jahren auf seinem Stammsitz in Gültz. Er wird auf der Familiengrabstätte beigesetzt.

1945

Enteignung

Die letzte Besitzerin Helene Luise Freifrau von Maltzahn wird im Zuge der Bodenreform enteignet. Das Schloss dient fortan als landwirtschaftliche Berufsschule.

1980–1988

Sanierung zu DDR-Zeiten

Die BBS „Georg Ewald" erhält eine umfassende Sanierung. Die historische Substanz bleibt weitgehend erhalten.

2004

Zwangsversteigerung

Nach dem Scheitern eines Hotelprojekts wird das Schloss zwangsversteigert und steht seitdem leer.

2026

Neue Perspektiven

Schloss Gültz erwacht zu neuem Leben – als Veranstaltungsort, Filmkulisse und kulturelles Kleinod im Herzen Mecklenburgs.

Nachweise

Quellen & Literatur

Archivalien & Primärquellen

  • • Peter Joseph Lenné: Verschönerungsplan für Gültz, SPSG Berlin-Brandenburg, Planslg. 3483 (1840)
  • • Königlich Preußische Landesaufnahme: Messtischblatt 2245 Gültz, 1:25.000 (1886)
  • • Landeshauptarchiv Schwerin: Gutsarchiv Gültz, Bestand 2.22-10
  • • Bundesarchiv Berlin: Personalakten Helmuth von Maltzahn, R 1501

Wissenschaftliche Literatur

  • • Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie, Band XIII, Blatt 763: Gültz, Berlin 1873
  • Pommersche Lebensbilder, hrsg. von der Historischen Kommission für Pommern, Band II, Stettin 1936, S. 266–280: Helmuth Freiherr von Maltzahn
  • • Sabine Bock: Peter Joseph Lenné und die Gutsparks des pommerschen Tollensetals, in: Zeitschrift Pommern, Heft 2/2025
  • • Lutz Mecke, Normann Kühn: Gülz – Schlosspark. Gartendenkmalpflegerische Zielstellung, Masterarbeit Hochschule Neubrandenburg, 2011
  • • Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser, Husum 1993
  • • Hans-Heinz Schütt: Auf historischen Spuren – Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2001

Nachschlagewerke & Genealogie

  • • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Gotha 1848–1942
  • • Deutsches Geschlechterbuch, Band 58: Mecklenburgisches Geschlechterbuch, 1928
  • • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 6, Leipzig 1865
  • • Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Berlin 1855

Amtliche Dokumente

  • • Landesamt für Kultur und Denkmalpflege M-V: Denkmalliste Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Schwerin 2023
  • • Landkreis Mecklenburgische Seenplatte: Anhörung zur Unterschutzstellung des Schlossparks Gültz, Az. 310/21, 25.03.2021
  • • Amtsgericht Neubrandenburg: Grundbuch von Gültz, Blatt 123

Historische Kartographie

  • • Königl. Preuß. Landesaufnahme: Messtischblatt 2245 Gültz, Erstausgabe, aufgen. von Prlt. La Baume (1886)
  • • Leibniz-Institut für Länderkunde: Blatt 856 Gültz, Zweite Ausgabe (1898)
  • • McMaster University Library, Kanada: Blatt 2245 Gültz, Kriegsausgabe (1941)
  • • UC Berkeley Library, USA: Blatt 2245 Gültz, Letzte Ausgabe (1944)
  • • Deutsche Digitale Bibliothek / Universität Greifswald: Digitalisierte Messtischblätter
  • • MAPSTER / igrek.amzp.pl (Polen): Topographische Karten Ostdeutschland

Historische Luftbilder

  • • Herder-Institut Marburg: Schrägluftbild-Sammlung, Hansa-Luftbild (1920er–1940er)
  • • Geoportal MV: Digitale Orthophotos 1953, 1991, 2023

Online-Ressourcen

  • gutshaeuser.de – Dokumentation der Guts- und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern
  • baltic-manors.eu – Netzwerk der Baltischen Gutshäuser (MittsommerRemise)
  • spsg.de – Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Lenné-Archiv)

Hinweis: Diese Darstellung basiert auf historischen Quellen und wissenschaftlicher Literatur. Für Ergänzungen oder Korrekturen wenden Sie sich bitte an uns.