Dass Helmuth von Maltzahn ab 1871 achtzehn Jahre im Reichstag saß, steht in jeder Kurzbiographie. Wie knapp oder deutlich er seine Wahlen gewann, steht in einem Buch von 1883: Die Reichstags-Wahlen von 1867 bis 1883, herausgegeben von A. Phillips, eine Statistik aller Wahlkreise mit Wahlberechtigten, abgegebenen Stimmen und Ergebnissen.
Der Wahlkreis
Gültz gehörte zum Wahlkreis „1. (Stettin) Demmin – Anklam“. Phillips gibt die Bevölkerung mit 79.799 an, davon 28.409 in Städten und 51.390 auf dem Land, zu 98,8 Prozent evangelisch. Die Städte waren Demmin (10.470 Einwohner), Treptow an der Tollense (4.033), Jarmen (1.642) und Anklam (12.264). 1867 hatte zweimal der Nationalliberale Graf von Schwerin-Putzar gewonnen. Ab 1871 ging der Wahlkreis an den Gültzer Gutsherrn.

Die Ergebnisse
| Wahl | Wahlbeteiligung | Frhr. v. Maltzahn (Kons.) | Gegenkandidat |
|---|---|---|---|
| 1871 | 48,3 % | 5.536 (76,9 %) | Konsul Gustav Müller, Berlin (NL): 1.658 |
| 1874 | 59,0 % | 4.669 (53,1 %) | Kreisrichter a. D. Maas (NL): 4.097 |
| 1877 | 50,7 % | 6.250 (77,9 %) | Schulze-Delitzsch (Fortschritt): 1.236; Nationalliberale: 504 |
| 1878 | 45,2 % | 6.142 (84,4 %) | Maas (NL): 1.112 |
| 1881 | 50,7 % | 5.328 (67,8 %) | Rittergutsbesitzer Kolbe (NL): 2.489 |
Die Prozentzahlen beziehen sich auf die gültigen Stimmen; die Summen gehen jeweils auf. Knapp wurde es nur 1874, als der Nationalliberale Maas bis auf rund 570 Stimmen herankam. 1877 trat gegen Maltzahn kein Geringerer an als der Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitzsch, für die Fortschrittspartei – und blieb chancenlos. 1878 erreichte Maltzahn mit 84,4 Prozent sein bestes Ergebnis.
Stadt und Land
Für 1881 schlüsselt Phillips die Stimmen auf. Das Ergebnis ist aufschlussreich: In den Städten lag der liberale Gegenkandidat klar vorn, auf dem Land der konservative Gutsherr.
| 1881 | v. Maltzahn | Kolbe |
|---|---|---|
| Städte | 703 | 1.543 |
| Land, Kreis Demmin | 3.115 | 456 |
| Land, Kreis Anklam | 1.510 | 490 |
Das war das typische Bild in Ostelbien: Die Dörfer und Gutsbezirke trugen die Konservativen, die Städte wählten liberal.
Der Eintrag im Abgeordnetenverzeichnis
Im Personenteil steht: „Frh. v. Maltzahn (-Gültz), Helmuth, Rittergutsbes. in Gültz bei Treptow a. d. Tollense, Vorpommern … Mitgl. d. deutsch. Reichst.: I., II., III., IV., V. Lp. für 1. Stettin (Demmin-Anklam), Kons.“ Das Geburtsdatum gibt Phillips mit „6. Juni 1840“ an. Die Familienchronik nennt dagegen den 6. Januar 1840, 10.30 Uhr vormittags, und die Taufe am 10. Februar. Das spricht für einen Druckfehler bei Phillips.
Quelle: A. Phillips (Hg.), Die Reichstags-Wahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum konstituierenden und norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages, Berlin: Louis Gerschel 1883, S. 29 und Abgeordnetenverzeichnis. Exemplar der Harvard College Library, Digitalisat Google Books, gemeinfrei. Anteile von Schloss Gültz aus den Angaben berechnet. Geburtsdatum: Berthold Schmidt, Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn, Bd. IV, 1925, S. 93 ff.