Im Archiv von Schloss Gültz lagert ein Schatz, den kaum ein anderes Herrenhaus in Mecklenburg-Vorpommern besitzt: die Originalakten der DDR-Sanierung von 1982 bis 1984. Protokolle, Behördenkorrespondenz, Farbkonzepte, Materiallisten und historische Fotografien – amtliche Unterlagen, die einen seltenen Einblick in die Denkmalpflege der DDR geben.
Die Berufsschule „Georg Ewald“
Nach der Enteignung der Familie von Maltzahn 1945 und der Plünderung des Herrenhauses wurde Schloss Gültz als Betriebsberufsschule (BBS) „Georg Ewald“ genutzt. Die Schule unterstand dem Rat des Kreises Altentreptow (Bezirk Neubrandenburg) und bildete hauptsächlich Lehrlinge in landwirtschaftlichen Berufen aus. Ein Internat war im Gebäude untergebracht.
Die Sanierung 1982–1984
Von 1980 bis 1988 fand eine umfassende Sanierung des Herrenhauses statt. Das Büro für Stadt- und Dorfplanung Neubrandenburg erarbeitete in Zusammenarbeit mit dem Kreisdenkmalschutz ein detailliertes Sanierungskonzept. Die erhaltenen Akten dokumentieren diesen Prozess:
- Farbkonzepte für die historische Fassade – mit Materialproben und Farbmustern
- Fotografien des Gebäudezustands vor und während der Sanierung
- Behördenkorrespondenz zwischen Kreisdenkmalamt, Bezirksbauamt und der Schulleitung
- Protokolle der Baubesprechungen
- Materiallisten und Kostenberechnungen in Mark der DDR
Was die Akten verraten
Die Dokumente zeigen, dass auch in der DDR engagierte Stadtarchitekten und Denkmalschützer um die Erhaltung der historischen Substanz kämpften – trotz Materialmangel und ideologischem Gegenwind. Die spätklassizistische Fassadendekoration war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verloren: Rustikagliederungen, geschosstrennende Gesimse und Fensterstürze waren nach dem Krieg verschwunden. Erhalten geblieben waren die Pilastergliederung am Mittelrisalit und die Eckdekorationen auf dem Giebel.
Die historischen Fotografien zeigen das Herrenhaus in einem Zustand, den heute kaum noch jemand kennt: als funktionierende Berufsschule mit Internat, eingebettet in den Alltag einer Landgemeinde der DDR.
Erstmals gezeigt 2025
Die Originalakten befinden sich im Besitz von Schloss Gültz und wurden 2025 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie sind bei Führungen durch das Herrenhaus zu sehen; eine digitale Ausstellung auf dieser Website ist in Vorbereitung.
Für Forscher, Denkmalschützer und Historiker sind die Akten nach Voranmeldung einsehbar.
Interesse an den Originalakten? Kontaktieren Sie uns oder kommen Sie zu einer der Gruppenführungen.