Schloss Gültz
Wappen von Maltzahn-Gültz
Schloss Gültz
Historisches Herrenhaus · Anno MDCCCLXXII
Sprache · Language · Język
12. Oktober 20269 Min. Lesezeit

Das Haus Gültz in der Familienchronik von 1925

1925 erschien der vierte und letzte Band der großen Familiengeschichte Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn. Verfasst hat sie der Archivar Dr. Berthold Schmidt (geboren 1856 in Ivenack als Sohn des dortigen Pastors, später Fürstlich Reußischer Geheimer Archivrat in Schleiz). Angeregt hatte das Werk der Gültzer Schlossbauherr selbst. Das Kapitel „b. Das Haus Gültz“ (S. 93–108) ist die wichtigste gedruckte Quelle zur Familie in Gültz. Viele Angaben auf unserer Website stammen von dort; hier tragen wir zusammen, was bisher noch fehlte.

Buchseite 93 in Frakturschrift mit der Überschrift d. Das Haus Gültz
Seite 93: Beginn des Kapitels „Das Haus Gültz“. B. Schmidt, Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn, Bd. IV, 1925. Digitalisat: Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern.

Axel Heinrich Ludwig (1808–1841), der Begründer

Der jüngste Sohn des Helmuth Dietrich von Maltzahn wurde am 8. November 1808 in Gültz geboren und am 29. November getauft. Eine seiner Patinnen war die Prälatin von Heyden-Linden geb. von Oertzen aus Tützpatz. Er besuchte das Gymnasium in Neustrelitz und wohnte in Pension bei Professor Kämpffer. Ein Mitschüler beschrieb ihn als ausgezeichneten Schüler, „heiter, musikalisch und ein flotter Turner“. Das Abitur legte er in Berlin ab. Ab 1827 studierte er in Bonn, wo er im Corps Borussia aktiv war, zuletzt noch zwei Semester in Berlin.

1831 kam er als Auskultator an die Justizkommission Schwedt, 1833 bestand er das Referendarexamen und arbeitete am Oberlandesgericht Frankfurt (Oder). Mit seinem Vetter Gustav Robert von der Sarower Linie arbeitete er die Akten des Stettiner Lehnsarchivs durch. So bereiteten die beiden den Rückerwerb der Schmarsower Güter (Osten, Borgwall, Schmarsow, Roidin und Teusin) vor, der nach dem Aussterben der Familie von Parsenow möglich geworden war. 1839 wählte ihn der Kreis Demmin zum ersten Deputierten, 1840 wurde er landschaftlicher Hilfsdeputierter. Im Herbst 1840 nahm er in Berlin an der Huldigung für König Friedrich Wilhelm IV. teil. Er starb am 12. Februar 1841 abends um 20.45 Uhr in Gültz und wurde am 16. Februar dort begraben. Ein Ölbild des Brautpaares von 1838 und eine Lithographie von ihm befanden sich 1925 noch in Gültz.

„Tante Auguste“ (1820–1891)

Auguste Caroline Sophie von Lützow wurde am 9. Februar 1820 in Schwerin geboren, als älteste Tochter des Staatsministers Ludwig von Lützow und der Sophie Freiin von Brandenstein. In Gültz hatte sie es anfangs nicht leicht: Die Schwiegermutter geb. von Brockhusen lebte noch im Haus „und war eigentlich die Hausherrin“. Nach dem frühen Tod ihres Mannes blieb sie zunächst mit Fräulein Thornton, einer früheren Erzieherin ihrer jüngeren Schwestern, in Gültz. Am 28. Juli 1849 heiratete sie in Gültz den Regierungs- und Landrat Hermann von Heyden auf Leistenow, Gatschow und Kadow (1810–1851). Nach seinem Tod erzog sie in Leistenow ihren eigenen und zwei Stiefsöhne. Ende der 1850er Jahre kaufte sie ein Haus mit Garten in Demmin und zog 1866/67 dorthin, als ihre drei Söhne heirateten.

Schmidt beschreibt sie als geistig rege, von der kirchlichen „Erweckung“ geprägt, „königstreu und konservativ bis in die Fingerspitzen“, bedürfnislos und streng gegen sich selbst, „aber dabei doch eigentlich eine Herrschernatur“. Deshalb wurde „Tante Auguste“ von vielen geliebt und von manchen „mit einem etwas furchtsamen Respekt betrachtet“. Sie starb am 9. Mai 1891 in Demmin an einer Lungenentzündung und wurde am 12. Mai im Gültzer Erbbegräbnis neben ihrem ersten Mann beigesetzt. Das Demminer Kreisblatt druckte damals anonym ein Gedicht auf sie: „Legt Ehrenkränze, ihr Frauen, / Der edelsten Frau auf das Grab! / Ein Vorbild durften wir schauen, / Das Glauben und Liebe uns gab.“ Ein Ölbild von ihr als alter Frau kam bei der Erbteilung nach Schossow.

Helmuth (1840–1923): Jugend und Vormünder

Helmuth Ludwig Wilhelm kam am 6. Januar 1840 um 10.30 Uhr vormittags in Gültz zur Welt und wurde am 10. Februar getauft. Großen Einfluss hatte sein Großvater, der Minister von Lützow in Schwerin. Seit 1847 unterrichtete ihn der Hauslehrer Julius Lappe, von 1851 bis 1887 Pfarrer in Gültz und bis zu seinem Tod ein treuer Freund. Mit elf Jahren kam Helmuth Ostern 1851 in die Tertia des Gymnasiums Wittenberg und wohnte beim Direktor des Predigerseminars, Professor von Schmieder. Seine Vormünder waren bis 1851 der Vetter Helmuth von Maltzahn aus Zettemin, danach Freiherr Carl von Sobeck auf Zarrenthin, der die Güter „sehr erfolgreich“ noch zwei Jahre über die Volljährigkeit hinaus verwaltete.

In Heidelberg war Helmuth zusammen mit seinen beiden Stiefbrüdern von Heyden und seinem Vetter Hans Ludwig von Maltzahn aus Vanselow im Corps Vandalia aktiv. Nach dem Referendarexamen arbeitete er einige Monate im Landratsamt Anklam. Das mündliche Assessorexamen legte er 1866 in Felduniform ab, während sein Regiment nach Böhmen marschierte. Seine Offiziersübung hatte er beim 2. Rheinischen Husaren-Regiment Nr. 9 in Trier gemacht; 1864 wurde er Leutnant. Von der Verwundung bei Beaune-la-Rolande 1870 durch einen Ellbogenschuss behielt er einen dauerhaft steifen rechten Arm.

Güterkäufe

Mit seiner Heirat 1867 übernahm Helmuth selbst die Bewirtschaftung der Güter und erweiterte sie Schritt für Schritt:

  • 1868 das Vorwerk Marienhöhe (Feldmark Gnevkow, angrenzend an Hermannshöh) von Wilhelm Bülle für 56.000 Taler,
  • 1869 das alte Maltzahnsche Gut Schossow von den Erben des Amtmanns Johann Friedrich Heydemann für 222.500 Taler,
  • 1881 Wodarg und Werder vom Grafen Zieten-Schwerin für 1.500.000 Mark,
  • 1881 Gut Crampe im Kreis Arnswalde, auf dem er die erste Hypothek hatte, bei der Zwangsversteigerung für 148.000 Mark. Er brachte das vernachlässigte Gut wieder hoch, forstete es auf und überließ es 1909 seiner Tochter Elsbeth von Gerlach.

Politik, Bismarck und Caprivi

Im Reichstag, dem er ab 1871 achtzehn Jahre lang angehörte, gründete Helmuth mit einigen Kollegen die Deutschkonservative Partei. Er befasste sich vor allem mit Militärfragen, dem Haushalt und den Sozialgesetzen. In Berlin wohnte er in einem selbst gebauten Haus in der Derfflingerstraße 9. Als Reichsschatzsekretär diente er anderthalb Jahre unter Bismarck und zweieinhalb unter Caprivi. 1893 trat er wegen eines Streits um die Biersteuer zurück, obwohl der Kanzler ihn halten wollte. Die beiden schieden im Guten; Maltzahn hielt später zu Caprivi, als dieser heftig angegriffen wurde.

Buchseite 100 in Frakturschrift: Bismarck legte seine Arme um Maltzahns Hals und gab ihm einen Kuß
Seite 100: der Besuch in Friedrichsruh 1897 („… und gab ihm einen Kuß“). Digitalisat: Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern.

Bismarck besuchte er auch nach dessen Entlassung mehrfach, einmal mit seiner Frau in Varzin und 1897 mit seinen drei Söhnen in Friedrichsruh. Der Leibarzt Professor Schweninger wollte den Besuch verhindern, doch Bismarck sagte: „Was? Maltzahn will mir seine Jungens vorstellen, die muß ich kennen lernen.“ Beim Frühstück sagte Maltzahn, für die Jugend verkörpere sich das deutsche Ideal in Bismarcks Person. „Da reckte sich die Hünengestalt Bismarcks auf, legte seine Arme um Maltzahns Hals und gab ihm einen Kuß.“

Kirche und Heimatgeschichte

Helmuth hielt in seinem Haus tägliche Andachten für Familie und Hausgenossen. Als Patron der Kirchen Gültz (mit Prützen und Seltz) und Werder (mit Wodarg) ließ er 1879 die Gültzer Kirche vollständig umbauen: mit einer Apsis und einem massiven Turm anstelle des hölzernen. Nach dem Brand von 1889, der in Werder alle Hofgebäude und die Kirche bis auf die Umfassungsmauern zerstört hatte, baute er die Kirche aus eigenen Mitteln wieder auf, mit neuem Geläut und neuer Orgel. Ab 1869 saß er in der Provinzialsynode, war lange deren Präses und gehörte der Generalsynode an. Bis 1888 leitete er die konfessionelle lutherische Gruppe in der preußischen Landeskirche, die „Augustkonferenz“.

Im Verein für Heimatpflege in Demmin hielt er einen Vortrag über die Entstehung der Ortsnamen der Gegend. Vor allem aber veranlasste er die wissenschaftliche Familiengeschichte: Schmidts Stamm- und Ahnentafeln (1900) und die vier Bände (1907–1925). Die Würde des Erblandmarschalls von Altvorpommern hätte 1909 eigentlich Freiherr Albrecht von Maltzahn auf Roidin zugestanden; er verzichtete zugunsten des „sehr viel ältern Gültzer Vetters“. Helmuth führte den Titel besonders gern.

Weltkrieg und Revolution

Am Weltkrieg nahmen drei Söhne, zwei Schwiegersöhne und vier Enkel teil; alle kehrten ohne ernstere Verwundungen zurück. Helmuth, ganz Kind seiner Zeit, war ein entschiedener Gegner der Revolution. Seinen Aufruf „Preußen heraus!“ vom 18. Januar 1919 druckten die Tageszeitungen; er brachte ihm die Ehrenpräsidentschaft des Preußenbundes ein. 1919 übergab er die Güter seinen Söhnen.

Kanzler des Johanniterordens

Als Ordenskanzler ab 1916 führte er die Verhandlungen, als nach dem Krieg die niederländischen Ritter (Commanderij Nederland) und 1920 die schwedischen Ritter eigene Genossenschaften bildeten. Beide empfing er als Gäste in Gültz, wo er auch andere Ordenskonferenzen abhielt. Zu seinen letzten Arbeiten gehörte, zusammen mit Ordenshauptmann Generalfeldmarschall von Hindenburg, eine neue Ehrengerichtsordnung des Ordens. Vor einer Kapitelsitzung in Potsdam am 8. Februar 1923 erkrankte er an Grippe. Er starb am Sonntag, dem 11. Februar 1923, um 12.15 Uhr, „im Alter von 83 Jahren und 36 Tagen“. Der Herrenmeister Prinz Eitel Friedrich nannte ihn im Nachruf „diesen Treuesten der Treuen“. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, dem Maltzahn wenige Wochen zuvor den dritten Band der Familiengeschichte hatte überreichen lassen, schrieb der Familie einen persönlichen Brief. Ein Ölbild von 1871 befand sich in Gültz, ein späteres in Wodarg.

Anna geb. von Rohrscheidt (1847–1913): „Uns’ Mudding“

Luise Auguste Anna von Rohrscheidt wurde am 10. Oktober 1847 in Annaburg geboren, als Tochter des preußischen Obersten Friedrich Julius von Rohrscheidt und der Auguste von Hagen. Sie wuchs in den Garnisonen ihres Vaters auf (Halle, Wohlau, Breslau, Erfurt) und besuchte das Mädchenpensionat der Brüdergemeine in Gnadau. Helmuth lernte sie auf der Hochzeit einer Freundin in Erfurt kennen; Verlobung war am 23. Oktober 1866.

In Gültz versuchten ältere Onkel und Tanten sie anfangs zu bevormunden, doch mit Klugheit und Schlagfertigkeit setzte sie sich durch. Ein Nachbar, stolz auf seine Geldgeschäfte, empfing das junge Paar mit den Worten: „Sie glaubten, meine Gnädigste, in das Haus eines Edelmannes zu kommen; Sie irren, Sie kommen in das Haus eines Kaufmannes.“ Anna antwortete lächelnd: „Aber das macht doch nichts, wenn nur der Kaufmann edelmännische Gesinnung hat!“ Als Gutsherrin kannte sie fast jedes Haus im Gültzer Besitz und half mit Rat und Tat. Die Leute liebten sie als „Uns’ Mudding“. Ihre Trauerpredigt begann der Gültzer Pastor mit den Worten: „Uns’ Mudder ist dod.“ Sie starb am 26. November 1913 um 1 Uhr nachts in Stralsund bei einer Notoperation und wurde am 30. November im Gültzer Erbbegräbnis beigesetzt. Sie hinterließ fünf Kinder, siebzehn Enkel und einen Urenkel.

Buchseite 107 in Frakturschrift mit der Liste der Kinder Helmuths von Maltzahn
Seite 107: Annas Tod 1913 und die Kinder des Schlossbauherrn. Digitalisat: Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern.

Die Kinder des Schlossbauherrn

  • Axel (* 17. Februar 1868 in Gültz), Herr auf Gültz, Hermannshöh und Marienhöhe, ⚭ 17. Mai 1898 in Schaprode Helene von Platen (mehr zu Axel)
  • Agnes (* 30. April 1869 in Gültz), ⚭ 17. Juni 1887 in Gültz August von Gadow auf Drechow, Major a. D.
  • Helmuth (* 22. Dezember 1870 in Gültz), Herr auf Schossow, Oberpräsidialrat a. D., ⚭ 31. Mai 1912 in Berlin Freda von Arnim
  • Christoph (* 22. Oktober 1872 in Gültz, † zwei Tage später, dort begraben)
  • Elsbeth (* 24. Januar 1874 in Gültz), Herrin auf Crampe, ⚭ 12. Oktober 1893 in Gültz Servatius von Gerlach auf Rohrbeck, Major a. D.
  • Gerhard (* 25. Juni 1877 in Gültz), Herr auf Wodarg und Werder, ⚭ 15. November 1907 in Berlin Helene von Borcke

Axels Kinder nennt Schmidt ebenfalls: Helmuth (* 19. Januar 1900 in Clevenow), Gisela (* 18. Dezember 1901 in Grimmen, † 3. Januar 1902), Berndt-Joachim (* 9. Februar 1903), Jürgen (* 31. Juli 1904, Forstmann), Mechtild (* 11. November 1906) und Ingeborg (* 13. Februar 1909), alle in Grimmen geboren außer dem Ältesten.

Quelle: Berthold Schmidt, Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn, Bd. IV, 1925, Abschnitt „b. Das Haus Gültz“, S. 93–108 (Digitalisat: Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern). Zitate wörtlich, sonst in eigenen Worten. Abbildungen: Seiten 93, 100 und 107 des Digitalisats.

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