Schloss Gültz
Wappen von Maltzahn-Gültz
Schloss Gültz
Historisches Herrenhaus · Anno MDCCCLXXII
Sprache · Language · Język
2. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Axel Freiherr von Maltzahn (1868–1931) – Stationen eines Lebens

Axel Freiherr von Maltzahn (1868–1931) war der älteste Sohn des Schlossbauherrn Helmuth von Maltzahn und nach ihm Herr auf Gültz. Ein Lebenslauf aus dem Familienkreis erlaubt es, seine Stationen nachzuzeichnen; wir geben sie hier in knapper Form wieder.

Das alte Gültzer Gutshaus, ein Fachwerkbau, davor Helmuth und Anna von Maltzahn
Das alte Gültzer Haus. Hier kam Axel 1868 zur Welt – vier Jahre bevor die Familie in das neue Herrenhaus zog.

Herkunft und Ausbildung

Axel wurde am 17. Februar 1868 in Gültz geboren, noch im Mittelbau des alten Fachwerkhauses, das sein Vorfahr Axel Albrecht von Maltzahn (1693–1781) errichtet hatte. Dieser Mittelbau wurde nach der Vollendung des neuen Herrenhauses abgerissen, um Platz für die Zufahrt zum Gutshof zu schaffen – weshalb Axel nach seinem Geburtsort gefragt gern antwortete: „Auf der Landstraße.“ In die Familienbibel schrieb der Vater: „Am 17. Februar 1868 ist meine liebe Frau unter Gottes gnädigem Beistand von einem Sohn entbunden, welcher in der heiligen Taufe die Namen Axel Ludwig Julius erhalten hat. Gott der Herr lasse ihn nach Seiner Gnade zu einem Kinde Gottes und tapferen Manne erwachsen.“ Neun Paten standen am Taufbecken, darunter die Urgroßeltern, der mecklenburgische Staatsminister Louis von Lützow und Sophie von Lützow geb. von Brandenstein, die Großeltern von Rohrscheidt, die Großmutter, die Tante Agnes von Beczwarzowsky und Freiherr Rudolph von Maltzahn-Cummerow.

Maschinenschriftliche Seite: Axel Ludwig Julius Freiherr von Maltzahn wurde am 17. 2. 1868 in Gültz geboren
Erste Seite des Lebenslaufs, verfasst von Axels Sohn Helmuth (1900–1984). Typoskript, Kopie im Archiv Schloss Gültz.

Den ersten Unterricht gaben Hauslehrer, unter ihnen der spätere Pastor Timm. Dann kam Axel auf das Katharineum in Lübeck und wohnte dort in Pension bei Pastor Ranke von der Marienkirche, einem nahen Verwandten des Historikers Leopold von Ranke. Mit ihm blieb er lebenslang befreundet. Als Sekundaner wechselte er an das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin, in Pension beim Direktor Professor Dr. Schaper. Dieser war Großmeister einer preußischen Freimaurerloge und ein ausgezeichneter Lehrer; das Haus war, so der Lebenslauf, „von dem Ranke’schen himmelweit verschieden“. 1886 bestand Axel das Abitur, wegen hervorragender Leistungen ohne mündliche Prüfung.

Die ersten drei Semester Jura studierte er in Heidelberg. Wie sein Vater wurde er dort im Corps Vandalia aktiv und übernahm die dritte und danach die erste Charge. Den Einfluss des Corps auf sein Leben hat er immer dankbar anerkannt. In Berlin legte er das Referendarexamen ab.

Zwei Männer mit Studentenmützen: ein älterer mit Schnurrbart sitzend, ein junger stehend, beide in dunklen Anzügen
„Axel und Helmuth Maltzahn als Vandalen“: Axel von Maltzahn (sitzend) mit seinem ältesten Sohn Helmuth, beide mit der Mütze des Corps Vandalia Heidelberg, vermutlich um 1920. Abbildung aus der unveröffentlichten Familienchronik (Privatbesitz).

Einjährig-Freiwilliger in Pasewalk

Seine Dienstpflicht leistete er als Einjährig-Freiwilliger beim Kürassier-Regiment „Königin“ (Pommersches) Nr. 2 in Pasewalk ab – dem Regiment, bei dem schon sein Vater 1866 gedient hatte (mehr zu den Pasewalker Kürassieren).

Im Staatsdienst

Brustbild eines Mannes mittleren Alters mit kurzem Haar und Schnurrbart, Stehkragen und Krawatte, sepiafarbener Abzug
Rückseitig beschriftet „Axel v. Maltzahn“ – vermutlich Axel Freiherr von Maltzahn in seinen späteren Jahren. Archiv Schloss Gültz.

Als Referendar arbeitete er in Düsseldorf beim Landrat und späteren Minister Freiherrn von Schorlemer, den er zeitweise vertrat, und zuletzt wie einst sein Vater bei der Regierung in Stettin, vor allem in Domänensachen. Nach dem Assessorexamen kam er an die Regierung in Köslin und bald zum Landrat von Lattorff nach Bergen auf Rügen, den er häufig vertrat. 1900 wurde er Landrat des Kreises Grimmen (kommissarisch ab Januar 1900, endgültig ab September 1901). In seine Amtszeit fielen unter anderem der Hafenbau in Stahlbrode und die Nebenbahn nach Loitz, eröffnet 1906 (mehr zu Bahn und Gütern der Familie). 1910/11 beschäftigte ein Prozess mit dem liberalen Gutsbesitzer Arthur Becker, der dem Landrat parteiische Amtsführung vorwarf, Reichstag und preußisches Abgeordnetenhaus; Nach dem Lebenslauf der Familie endete die Sache mit der Verurteilung des Gutsbesitzers Becker-Hartmannshagen zu neun Monaten Gefängnis; sogar der Kladderadatsch brachte eine Karikatur vom „zu seiner Überzeugung stehenden Landrat“. Axel schied 1911 aus dem Amt. Insgesamt verwaltete er den Kreis rund zwölf Jahre. Es gab auch freundliche Begegnungen: Mehrfach traf er Prinz Eitel Friedrich von Preußen, der in der Staatsforst Abtshagen zur Jagd kam.

Weil das Landratshaus in Grimmen bei seinem Amtsantritt noch gebaut wurde, wohnte die Familie zunächst im Schloss des Herrn von der Lancken-Wakenitz in Clevenow. Dort kam der älteste Sohn zur Welt. Die nächsten beiden Kinder wurden in einem kleinen Haus an der Grimmener Stadtgrenze geboren, die letzten drei im neuen Landratshaus neben dem Landratsamt.

1912 wechselte er als Regierungsrat an das Oberpräsidium in Magdeburg, wo die Familie in der Augustastraße 26 wohnte – für Axel und seine Frau eine besonders glückliche Zeit –, kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Geheimer Oberregierungsrat und Vortragender Rat an das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin. Am 17. Mai 1898 hatte er Helene-Luise von Platen aus dem Haus Poggenhof auf Rügen geheiratet (mehr zu ihr weiter unten). In Berlin wohnte die Familie in Südende, Bahnstraße 24.

Im Ersten Weltkrieg

Bei Kriegsbeginn rückte er als Rittmeister der Reserve und Kommandeur einer leichten Infanterie-Munitionskolonne ins Feld, zunächst im Westen, nach der Marneschlacht in Polen, und erhielt das Eiserne Kreuz. 1915 wurde er ins Ministerium zurückgerufen, wo er sich vor allem Fragen der Ernährungslage widmete. Während seines Kriegsdienstes zog die Familie vorübergehend nach Gültz. Im Ministerium war er bereits als Nachfolger des Ministers von Schorlemer vorgesehen, als der Krieg verloren ging. Ein Andenken an die Kriegszeit hing später in der Eingangshalle des Gültzer Hauses: ein Kronenhirsch, den er im kaiserlich-russischen Hofjagdrevier Spała (Las Potok) erlegt hatte; darunter hingen die Gewehre eines kapitalen Keilers aus demselben Revier.

Das Ende der Monarchie

Den Sturz der Monarchie empfand Axel als schwersten Schlag seines Lebens. Der Lebenslauf aus der Familie überliefert zwei Szenen. Am Abend des 9. November 1918 brüllte ein Zeitungsverkäufer am Potsdamer Platz Spottverse auf den Kaiser. Axel ging mit erhobenem Stock auf ihn zu und rief: „Halten Sie Ihr Maul!“ Die Umstehenden stellten sich auf seine Seite, und der Verkäufer verschwand. Danach quittierte Axel sofort den Dienst. Sein Abschiedsgesuch richtete er nicht an die neue Regierung, sondern an seinen König. Bei der Übergabe des Ministeriums an den neuen Minister Otto Braun (SPD), zu der er auf Bitten seiner Mitarbeiter noch einmal erschien, nahm er die angebotene Hand nicht an. Damit endete seine Laufbahn im preußischen Staatsdienst.

Herr auf Gültz

Am 1. Juli 1919 übergab ihm sein Vater die Güter Gültz und Hermannshöh mit Marienhöhe. Axel zog mit seiner Familie nach Hermannshöh, wohnte dort zunächst im Beamtenwohnhaus und ab Herbst 1920 in dem Herrenhaus, das er selbst hatte bauen lassen. Am 26. Oktober 1923 siedelte er nach Gültz über. Er führte die Güter durch die Inflation und die schweren Jahre danach. Besonders schätzte er, dass seine Leute in den unruhigen Nachkriegsjahren zu ihm hielten: In Gültz und Hermannshöh wurde kein einziger Tag gestreikt, obwohl auf fast allen Nachbargütern die Arbeit ruhte.

Daneben übernahm er Ehrenämter. Er saß in der Provinzialsynode und im Rechtsausschuss der Kirche und war im Johanniterorden Ehrenkommendator und Werkmeister; dafür besprach er sich wiederholt mit der Kronprinzessin und dem Herrenmeister Prinz Oskar von Preußen. Der Kaiser bestimmte ihn zum Kurator des Kaiser-Wilhelm-Kinderheims in Ahlbeck auf Usedom. In dieser Aufgabe reiste Axel auch zum Bericht nach Doorn. Dort schenkte er dem Kaiser zwei Palmen. Der Gültzer Gärtner hatte sie aus Stecklingen gezogen, die aus dem Kranz des Kaiserpaars zum Tod von Axels Mutter 1913 stammten.

Politisch dachte er konservativ und monarchistisch. Wie die meisten seiner Leute gehörte er dem Stahlhelm an. Vor Hitlers Machtpolitik warnte er nach dem Lebenslauf jedoch eindringlich: Sollte sie je zum Tragen kommen, sehe er „für unser deutsches Volk und Vaterland ganz schwere Zeiten heraufkommen“. Die Machtergreifung erlebte er nicht mehr.

Der Sternenfreund

Der Lebenslauf zeichnet einen ungewöhnlich vielseitigen Mann. Axel hatte ein großes Gedächtnis: Einen Text musste er meist nur einmal lesen, um ihn fast wörtlich wiederzugeben. Noch im Alter konnte er über 30 Oden des Horaz im lateinischen Original aufsagen. Mit seinem Vater unterhielt er sich gelegentlich auf Griechisch oder Latein. Er war mathematisch begabt, ließ sich von Universitäten Examensaufgaben der höheren Mathematik schicken und wies einmal einem Professor einen Fehler in dessen Aufgabe nach. Seine besondere Liebe galt der Astronomie.

Er spielte Geige, nahm Gesangsstunden, malte in Öl und zeichnete mit der Feder. Als begeisterter Wagnerianer half er nach dem Ersten Weltkrieg, die Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele zu finanzieren, und besuchte sie mehrmals, zuletzt mit seinen Kindern. Er schrieb Gedichte und ganze Aufführungsstücke für Familienfeste und besaß eine wertvolle Briefmarkensammlung. Als guter Schütze wurde er oft als Jagdkönig gefeiert; Auerhähne aus Oberösterreich, Rot- und Damwildgeweihe und Rehkronen zeugten davon.

Maschinenschriftliches Blatt: 60. Geburtstag von Baron Axel v. Maltzahn, 17.02.1928, gedichtet von Marie Franke, 1. Bild Großer Wagen, Verse der Sterne und Räder
Das Spiel zum 60. Geburtstag am 17. Februar 1928, „gedichtet von Marie Franke“. Spätere maschinenschriftliche Abschrift, Archiv Schloss Gültz.

Zu seinem 60. Geburtstag am 17. Februar 1928 wurde in Gültz ein kleines Spiel aufgeführt, gedichtet von Marie Franke. Die Darsteller waren die sieben Sterne des Großen Wagens: drei Deichselsterne und vier Räder. Dazu kam ein Kind als „Reiterlein“, der kleine Stern Alkor, der am Himmel über der Deichsel sitzt. Der Wagen kommt vom Himmel herab („Reiterlein, mach dich klein, / jetzt geht’s ins Gültzer Tor hinein!“) und huldigt dem „alten Sternenfreund“. Auch die Mathematik bekommt ihren Vers: „3 mit 20 kopulieret / gibt die Zahl, die sich rentieret, / vivat mathematica!“ Am Schluss nehmen die Sterne das Reiterlein wieder mit, denn es ist „spät … für so kleine Leute“.

Zweite Seite des Geburtstagsspiels 1928 mit Versen der Deichselsterne und Räder
Seite 2: Astronomie, Horoskop und „Gottes Augen“.
Dritte Seite des Geburtstagsspiels 1928: Weißt du, wieviel Sternlein stehen, weißt du, wie viel Maltzahns gehen
Seite 3: „Weißt du, wie viel Maltzahn’s gehen / weithin über alle Welt?“ – und der Abschied der Sterne.

Abschied

Axel von Maltzahn starb nach schwerer Krankheit am 3. März 1931 in Gültz. Am 7. März wurde er im Erbbegräbnis der Familie beigesetzt, in Anwesenheit der Kronprinzessin Cecilie und vieler Trauergäste. Gutsherr wurde später sein ältester Sohn Helmuth (1900–1984) – mehr dazu in unserem Beitrag Die letzte Zeit in Gültz – 1944/45.

Der Abschied im März 1931

Maschinenschriftliche Seite: Trauerreden beim Begräbnis des Geheimen Ober-Regierungsrats Freiherrn Axel v. Maltzahn-Gültz, I. Feier im Hause
Abschrift der Trauerreden für Axel von Maltzahn, März 1931, erste Seite. Archiv Schloss Gültz.

Die Ansprachen, die der Gültzer Pastor bei der Beerdigung hielt, sind als Abschrift erhalten. Sie wurden in drei Teilen gehalten: im Haus für die Familie (Psalm 23,4 und Psalm 73,23–26), für die Gemeinde (Offenbarung 14,13: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“) und in der Kirche. Sie zeichnen ein persönlicheres Bild, als es Akten können. Vier Monate hatte Axel schwer krank gelegen; die Ansprache tröstet die Witwe nach „33jähriger“ Ehe. Über seine Amtszeit heißt es: „12 Jahre in Grimmen haben seinem weichen Herzen manche Wunde geschlagen.“ Danach kamen Krieg und Revolution, und das Erbe, das er antrat, „war nicht leicht“. „Mancher von Euch ist wohl noch sein Spielkamerad gewesen in glücklichen Kinderzeiten“, sagte der Pastor zur Gemeinde. Und über das Ende: „Er hatte ja Gültz und die Gültzer lieb und in Gültz wollte er sterben.“ Wieder daheim, waren die letzten Tage verhältnismäßig schmerzlos; am letzten Abend öffnete er noch einmal die Augen und umfasste die Seinen mit einem letzten Blick.

Als Gutsherr, so der Pastor, habe er „immer auf das Wohl seiner Leute bedacht“ gehandelt, oft weit über das Maß seiner Verpflichtung hinaus. Als Kirchenpatron fehlte er nie im Gottesdienst und in den Sitzungen des Gemeindekirchenrats, war Mitglied der Provinzialsynode und schrieb für seine Kinder sogar eine Auslegung des Katechismus. Vor allem erinnerte der Pastor an die neuen Kirchenglocken, die Axel gestiftet hatte: „Das war für ihn ein großes Opfer, aber er hat es gern und mit Freuden gebracht.“ Eine der Glocken trug den Spruch „Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ – dass diese Mahnung „so viel taube Ohren fand“, habe ihn sehr geschmerzt. Wie schon sein Vater 1878 für Utzedel (Zwei Glocken für Utzedel) hatte er damit der Kirche ein Geläut hinterlassen.

Im Johanniterorden war er Ehrenkommendator und „Werkmeister“; als er sein Amt vom Krankenbett aus niederlegte, schrieb ihm der Herrenmeister, seine Arbeit sei nicht zu entbehren. Die Kronprinzessin schickte dem Kranken mit einem Gruß ihr Bild. Das Demminer Tageblatt schrieb zu seinem Tod: „Der Kreis Demmin verliert in ihm einen aufrechten kerndeutschen Mann.“ Mit der Republik, so die Predigt, habe er nie seinen Frieden gemacht – er blieb, ganz Kind seiner Zeit und seines Standes, der Monarchie treu. Den Text für die Trauerfeier in der Kirche hatte er selbst gewählt: „Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“ (Hebräer 13,9).

Helene von Maltzahn, geb. von Platen (1879–1942)

Helene-Luise von Platen, in der Familie „Helli“ genannt, wurde am 30. Januar 1879 auf Poggenhof auf Rügen geboren. Sie war die älteste von acht Geschwistern. Ihre Eltern waren Louis von Platen auf Poggenhof, der früh starb, und Helene geb. von der Lancken aus dem Haus Lanckensburg (* 24. Februar 1855 in Lanckensburg, † 8. Oktober 1915 in Poggenhof; den Tod zeigte Axel selbst beim Standesamt Trent an). Wegen ihrer Schönheit nannte man sie als junges Mädchen die „Rose von Rügen“. Axel lernte sie als Assessor in Bergen kennen. Getraut wurden die beiden am 17. Mai 1898 in der Kirche von Schaprode. Die Trauung hielt Axels alter Pensionsvater aus Lübecker Schulzeiten, Hauptpastor Senior Ranke, über Matthäus 18,19–20: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Gefeiert wurde in Poggenhof, danach zog das junge Paar in eine Villa am Stadtrand von Bergen.

Handschriftlicher Taufschein, Grimmen 7. Januar 1902, mit violettem Siegel der Kirche zu Grimmen, unterschrieben Mielke, Superintendent
Taufschein für die Tochter Gisela Anna Helene, geboren am 18. Dezember 1901 in Grimmen, getauft am 2. Januar 1902. Ausgestellt vom Evangelischen Pfarramt Grimmen am 7. Januar 1902. Gisela starb schon am folgenden Tag, dem 3. Januar 1902. Archiv Schloss Gültz.
Sterbeurkunde Nr. 53, Schaprode 9. Oktober 1915: Tod der Helene von Platen geb. von der Lancken in Poggenhof, angezeigt von Axel Freiherr von Maltzahn
Sterbeurkunde für Helenes Mutter, Helene von Platen geb. von der Lancken (1855–1915): angezeigt am 9. Oktober 1915 von Axel Freiherr von Maltzahn, damals Geheimer Regierungsrat in Berlin-Südende, Bahnstraße 24. Beglaubigte Abschrift Schaprode 1922. Archiv Schloss Gültz.

Die sechs Kinder kamen in den Grimmener Jahren zur Welt. Das zweite, die Tochter Gisela, starb am 3. Januar 1902, einen Tag nach ihrer Taufe und nur 16 Tage alt (der Lebenslauf sagt „14 Tage“). Die Ehe dauerte fast 33 Jahre und war nach dem Lebenslauf „eine überaus glückliche“. Helene war überzeugte evangelisch-lutherische Christin, von großer Güte und Herzlichkeit, „fast immer strahlend“ und von großer Härte gegen sich selbst. In Gültz und Hermannshöh wurde sie von den Leuten „geliebt und verehrt“. Nach Axels Tod schlugen die Kinder das Erbe aus, sodass sie Alleinerbin des ganzen Besitzes wurde. Nach Axels Tod lebte sie bis 1940 in Gültz und tauschte dann die Wohnung mit ihrem ältesten Sohn in Hermannshöh. Nach einem Vertrag von 1938 hatte dieser Sohn Helmuth die Güter Gültz und Hermannshöh mit Marienhöhe erhalten; die übrigen Kinder wurden anderweitig abgefunden. Helene starb im Juni 1942 in Hermannshöh nach längerer Krankheit (der Lebenslauf nennt den 13. Juni, ein Vermerk auf der Trauerrede den 20. Juni und die Beerdigung am 24. Juni 1942) und wurde neben Axel im Gültzer Erbbegräbnis beigesetzt.

Maschinenschriftliche Seite: Trauerfeier im Hause, Joh. 17,24, mit Bleistiftvermerk Helli Freiin v. Maltzahn geb. v. Platen
Trauerrede für Helene von Maltzahn, Juni 1942, erste Seite, mit Bleistiftvermerk zu Tod und Beerdigung. Archiv Schloss Gültz.

Auch von ihrer Trauerfeier ist die Ansprache des Pastors als Abschrift erhalten. Die Bibelworte hatte sie selbst ausgesucht: für die Feier im Haus Johannes 17,24 („Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast“), für die Kirche Epheser 2,8–9 („Aus Gnaden seid ihr selig geworden“). Die Kirchenworte und das Lied der Trauerfeier hatte sie sich in ihrer Krankheit oft vorlesen lassen. Der Pastor erinnerte an ihre glückliche Jugend „in einem großen Geschwisterkreis“, an ihr sonniges Familienleben und an ihre Hoffnung, ihren Mann wiederzusehen, „der ihr vor 11 Jahren in die Ewigkeit vorangegangen ist“. Ihre letzten zwei Jahre waren von schwerer Krankheit gezeichnet. Sie habe nicht nur für sich und die Ihren gesorgt, sondern sei „auch ihren Leuten eine Mutter gewesen, und wir alle haben sie lieb gehabt.“

Quellen: Ansprachen bei der Trauerfeier für Axel Frhr. v. Maltzahn-Gültz, März 1931, maschinenschriftliche Abschrift (Familienbesitz, Kopie im Archiv Schloss Gültz); Lebenslauf Axel Frhr. von Maltzahns, verfasst von seinem Sohn Helmuth Frhr. von Maltzahn (1900–1984), Typoskript, 7 S. (Privatbesitz, Kopie im Archiv Schloss Gültz), in eigenen Worten zusammengefasst; Marie Franke, Spiel zum 60. Geburtstag von Baron Axel v. Maltzahn (17.02.1928), maschinenschriftliche Abschrift (Archiv Schloss Gültz), kurze Zitate; Taufschein Gisela Anna Helene Freiin von Maltzahn, Ev. Pfarramt Grimmen, 07.01.1902 (Archiv Schloss Gültz); Sterbeurkunde Helene von Platen geb. von der Lancken, Standesamt Trent, Nr. 53/1915, Abschrift Schaprode 01.01.1922 (Archiv Schloss Gültz); Ansprachen bei der Trauerfeier für Helene Freifrau von Maltzahn geb. von Platen, Juni 1942, maschinenschriftliche Abschrift (Archiv Schloss Gültz); Wikipedia, Artikel „Axel von Maltzahn (Landrat, 1868)“ und „Arthur Becker (Politiker, 1862)“; Rolf Jehke, Landratsliste Kreis Grimmen (territorial.de); Lysbeth W. Muncy, Central European History 6 (1973), S. 299–338.

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