Schloss Gültz ist eines von über dreißig Bauwerken, die der mecklenburgische Baumeister Georg Daniel (1829–1913) entworfen, umgebaut oder restauriert hat. Wer seine anderen Bauten kennt, erkennt im Gültzer Herrenhaus vieles wieder. Hier sind alle bekannten Werke zusammengestellt, dazu sein Lebensweg und die Urteile seiner Zeitgenossen.
Ein Baumeister für beide Mecklenburg
Georg Benedict Friedrich Wilhelm Daniel wurde am 15. Januar 1829 in Rehna geboren, als Sohn des Advokaten und Bürgermeisters Carl Ludwig Daniel. Er studierte 1846–1848 an der Polytechnischen Schule in Hannover, arbeitete ab 1849 im Münchner Büro von Friedrich Bürklein und studierte ab 1851 an der Münchner Kunstakademie. 1854 trat er in den mecklenburgischen Staatsdienst ein und war bis 1857 Bauaufseher beim Umbau des Schweriner Schlosses. Nach einer Studienreise nach Italien arbeitete er 1858–1861 im Wiener Büro von Franz Jakob Kreuter, unter anderem als Bauleiter am Palazzo Grassi in Venedig.
1861 kehrte er als Baukondukteur nach Schwerin zurück, wurde Assistent von Theodor Krüger und 1867 Baubeamter für den Distrikt Schwerin; 1870–1874 war er Distriktbaumeister für die Ämter Hagenow und Wittenburg. In diese Jahre fallen Gültz und Vanselow. Ab 1874 leitete er die Bauverwaltung in Mecklenburg-Strelitz, ab 1880 als Oberbaurat und später Geheimer Oberbaurat die in Mecklenburg-Schwerin. Von 1887 bis 1911 gehörte er der Kommission zur Erhaltung der Bau- und Kunstdenkmäler an. Am 1. Juli 1911 ging er in den Ruhestand; er starb am 8. April 1913 in Schwerin.
Schon am Schweriner Schloss fiel der junge Daniel dem Großherzog Friedrich Franz II. auf. In den Akten heißt es, er sei „S(einer) K(öniglichen) H(oheit) von einer sehr vortheilhaften Seite bekannt …, indem er sich durch seine beim hiesigen Schloßbau ausgeführten Arbeiten als einen sehr tüchtigen und geschickten Architekten bewiesen“. Den Wechsel nach Strelitz 1874 genehmigte der Hof ausdrücklich mit dem Vorbehalt, dass Daniel „auf Wunsch“ nach Schwerin zurückkehren dürfe. Davon machte er 1880 Gebrauch, mit 51 Jahren, und wurde Chef der Baubehörde von Mecklenburg-Schwerin. Arbeiten Daniels fanden auf der Weltausstellung 1878 in Paris große Anerkennung. Bei der Wiedereinweihung des Ratzeburger Doms erhielt er das Ritterkreuz des mecklenburgischen Hausordens der Wendischen Krone. Das Herrenhaus Bernstorf, das er ab 1880 für die Familie von Bernstorff baute, steht noch, ist aber in sehr schlechtem Zustand.
Warum Daniel für Gültz?
Helmuth von Maltzahn hatte die Grundrisse seines neuen Hauses selbst skizziert. Den Baumeister fand er, nachdem er das gerade fertiggestellte Schloss Tressow bei Wismar besichtigt hatte, das Daniel 1862–1865 für Graf Werner von der Schulenburg gebaut hatte. Tressow ist elfachsig, „im florentinischen / spätklassizistischen Stil“ gehalten und mit einem stattlichen Marstall versehen. Wer Tressow und Gültz nebeneinander sieht, erkennt die Handschrift.
Fast gleichzeitig mit Gültz entstand nicht weit entfernt, ebenfalls im Kreis Demmin, das Herrenhaus Vanselow (1870–1871, bezogen im Oktober 1872), ein klassizistischer Putzbau auf H-förmigem Grundriss, für Hans Ludwig von Maltzahn. Daniel baute also zur selben Zeit für zwei Zweige derselben Familie. 1879 baute er auch die Dorfkirche in Gültz um. Das bestätigt unabhängig das Denkmälerinventar von 1898: Die Gültzer Kanzel sei „1879 durch Baurath Daniels in Neustrelitz vortrefflich hergestellt“ worden – in Neustrelitz saß Daniel damals als Leiter der Strelitzer Bauverwaltung (mehr zur Kirche).
Wie ihn die Zeitgenossen sahen
1924 würdigte Geheimer Oberbaurat Johann Friedrich Pries, der Daniel im Alter im Amt vertreten hatte, ihn als „einen Mann, der wie wenige jahrzehntelang das ganze Hochbauwesen im Lande beherrscht hat, oder richtiger in beiden Landen Mecklenburg“.
„Daniel folgte keiner bestimmten Kunstrichtung ausschließlich, suchte vielmehr in jedem Einzelfalle den Stil der Aufgabe anzupassen.“
So erklärt sich die Bandbreite seines Werks: Herrenhäuser im florentinischen oder klassizistischen Stil wie Tressow, Gültz und Vanselow, neugotische Kirchen und Restaurierungen wie in Malchow, Remplin und am Schweriner Dom, die Neorenaissance des Hoftheaters. Pries hebt außerdem hervor, dass Daniel den heimischen Ziegelbau förderte.
Das Schweriner Theater
Sein bekanntestes Werk in der Landeshauptstadt ist das Großherzogliche Hoftheater am Alten Garten, 1882–1886 erbaut, heute das Mecklenburgische Staatstheater. Seit 2018 betreut das Architekturbüro fachwerkler im Auftrag des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Schwerin den Bauunterhalt des denkmalgeschützten Ensembles aus Theater, Maschinenhaus und ehemaligem Kulissenhaus. Dort gilt, was auch für Gültz gilt: Der Umgang mit der historischen Substanz steht im Vordergrund (Projektseite mit Fotos).
Alle bekannten Bauten Georg Daniels
| Jahr | Ort | Bauwerk | Art | Zustand |
|---|---|---|---|---|
| 1856–1857 | Löwitz bei Rehna | Herrenhaus | Umbau | Ruine |
| 1862–1865 | Tressow bei Wismar | Schloss mit Marstall für Graf Werner von der Schulenburg | Neubau | erhalten |
| 1863–1869 | Schwerin, Am Packhof | Paulskirche | Neubau (als Bauführer) | erhalten |
| 1863–1871 | Ivenack | Schloss und Schlosskirche | Umgestaltung | erhalten |
| 1865 | Vietlübbe bei Gadebusch | Dorfkirche | Restaurierung | erhalten |
| 1866 | Schwerin, Schlachterstraße | Synagoge | Umbau | 1938 zerstört |
| 1866–1867 | Groß Eichsen | Kirche St. Johannes d. T. | Restaurierung | erhalten |
| 1868–1869 | Schwerin, Am Packhof 1 | Hauptsteueramt | Neubau | — |
| 1868–1872 | Gültz in Pommern | Herrenhaus (Schloss Gültz) für Helmuth Frhr. von Maltzahn | Neubau | erhalten |
| 1870–1871/72 | Vanselow bei Demmin | Herrenhaus für Hans Ludwig von Maltzahn | Neubau | erhalten |
| 1870–1873 | Malchow | Stadtkirche St. Johannes | Neubau | erhalten |
| 1873–1880 | Bistrow | Kirche, Herrenhaus und Familienkapelle | Restaurierung / Bauten | — |
| 1876 | Güstrow, Wallanlage | Kriegerdenkmal | Entwurf | 1910 ersetzt |
| 1876–1877 | Groß Quassow | Dorfkirche | Neubau | erhalten |
| 1876–1878 | Remplin | Kirche | Neubau | erhalten |
| 1876–1878 | Buchholz bei Rostock | Kirche | Neubau | erhalten |
| 1876–1881 | Ratzeburg | Dom, 1. Bauabschnitt | Restaurierung | erhalten |
| 1877–1878 | Penzlin | Stadtkirche St. Marien und St. Nikolai | Restaurierung | erhalten |
| 1877–1880 | Bernstorf | Schloss | Neubau | erhalten |
| 1879 | Gültz | Dorfkirche | Umbau | erhalten |
| 1880–1881 | Beseritz | Kirche mit neuem Turm | Restaurierung | erhalten |
| ab 1880 | Beseritz | Herrenhaus | Neubau | erhalten |
| 1880–1883 | Güstrow | Pfarrkirche St. Marien | Umbau und Restaurierung | erhalten |
| 1882–1883 | Schwerin, Platz der Jugend | Anna-Hospital (Kinderkrankenhaus) | Neubau | erhalten |
| 1882–1886 | Schwerin, Alter Garten | Großherzogliches Hoftheater (heute Mecklenburgisches Staatstheater) | Neubau | erhalten |
| 1883–1885 | Schwerin, Friedensstraße | Großherzogliches Realgymnasium | Neubau | erhalten |
| 1883–1886 | Schwerin | Dom | Restaurierung und Umbau | erhalten |
| 1888–1890 | Malchow, Kloster | Klosterkirche | Restaurierung | erhalten |
| 1889 | Güstrow, Pferdemarkt | Borwinbrunnen | Entwurf | erhalten |
| 1889 | Toitenwinkel bei Rostock | Kirche St. Laurentius und St. Katharinen | Restaurierung und Umbau | erhalten |
| 1889–1892 | Schwerin | Domturm (Stiftung des Grafen Bernstorff auf Wedendorf) | Neubau | erhalten |
| 1890–1892 | Schwerin, Schloßstraße | Kollegiengebäude II | Neubau | erhalten |
| 1890–1894 | Rostock | Nikolaikirche | Restaurierung | — |
| 1892–1893 | Schwerin, Lübecker Straße | Alters- und Invaliditätsversicherungsanstalt | Neubau | erhalten |
| 1893–1899 | Ratzeburg | Dom, 2. Bauabschnitt | Restaurierung | erhalten |
| 1905–1907 | Schwerin | Landesversicherungsanstalt | Neubau | — |
| o. J. | Waren (Müritz) | Marienkirche | Restaurierung | — |
| o. J. | Parchim | Gymnasium (nach Pries 1924) | Neubau | — |
| o. J. | Schwerin | Wohnhäuser | Neubau | — |
„Zustand“ nach dem Werkverzeichnis der Architektenbiografien (Stand 2022); „—“ heißt: dort nicht angegeben. Wo die Jahre zwischen den Quellen leicht abweichen (etwa Malchow 1870/71 bei Pries, 1870–1873 im Werkverzeichnis), ist der längere Zeitraum genannt. Kennen Sie weitere Bauten Daniels, vor allem Herrenhäuser in Vorpommern? Wir ergänzen die Liste gern: schlossgueltz@gmx.de
Quellen: Kurzbiografie „Georg Daniel (1829–1913)“ (Textvorlage im Archiv Schloss Gültz, Herkunft nicht vermerkt; dort abweichend „Kreutzer“ statt Kreuter und Malchow „1870 fertiggestellt“); Architektenbiografien (glass-portal), „Daniel, Georg“, mit Werkverzeichnis; Wikipedia, Artikel „Georg Daniel“, „Schloss Tressow“ und „Herrenhaus Vanselow“ (abgerufen 04.10.2026); Joh. Friedr. Pries, „Die Baumeister Mecklenburgs und ihre Werke“, in: Mecklenburg. Zeitschrift des Heimatbundes Mecklenburg 19 (1924), Nr. 1, S. 17 f.; fachwerkler, Projekt „Theater Schwerin“; Helmuth Frhr. von Maltzahn-Gültz, Erinnerungen, 1916 (Wahl des Baumeisters).