Güteradressbücher sind trockene Nachschlagewerke: Tabellen mit Hektar, Mark und Stückzahlen, gedacht für Behörden, Händler und Landwirte. Gerade deshalb sind sie für die Geschichte eines Gutes so wertvoll. Sie erfassen in regelmäßigen Abständen dasselbe – und zeigen so, was sich verändert hat und was nicht. Für Gültz liegen uns jetzt vier Bände vor: 1884, 1892, 1928 und 1939, dazu ein Handelsadressbuch von 1885/88. Die Ausgabe von 1928 haben wir schon im Beitrag über Bahn und Landwirtschaft ausgewertet; hier kommen die übrigen hinzu.
1884: 1.099 Hektar, selbst bewirtschaftet
Das Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche von P. Ellerholz, Band Pommern in zweiter Auflage (Berlin 1884), führt für jedes Gut die Flächen nach Kulturarten, den Grundsteuer-Reinertrag, Besitzer, Pächter, Verkehrsanbindung und Nebenbetriebe auf. Für Gültz steht dort:

| Rittergut Gültz 1884 | Hektar |
|---|---|
| Acker einschließlich Gärten | 789,74 |
| Wiesen | 149,63 |
| Hutung | 13,85 |
| Wald | 143,02 |
| Wasser | 3,06 |
| Summe | 1.099,30 |
| Grundsteuer-Reinertrag | 28.476,39 Mark |
Als Besitzer ist „Hellmuth Baron v. Maltzahn“ eingetragen, ein Pächter oder Administrator nicht: Der Bauherr des Schlosses bewirtschaftete das Gut selbst. Post, Telegraf und Bahnhof lagen im Ort („Gültz P.T.E.“), und in der Kreisbeschreibung heißt es: „Bahnhöfe im Kreise sind: Treptow a. T., Gültz, Sternfeld, Demmin.“
Gültz war nicht das einzige Gut des Bauherrn. Im selben Band stehen unter seinem Namen vier weitere Güter im Kreis Demmin:
| Gut (1884) | Fläche | Reinertrag | Vermerk im Handbuch |
|---|---|---|---|
| Gültz | 1.099,30 ha | 28.476,39 M | – |
| Herrmannshöh | 726,02 ha | 14.568,75 M | „Besond. schönes Rindvieh“ |
| Schossow | 579,01 ha | 13.577,82 M | „Ganz vorzügliche Rindviehzucht, Holl. Race“ |
| Werder | 729,89 ha | 19.298,49 M | Ziegelei |
| Wodarg | 1.123,85 ha | 19.639,56 M | Wassermahlmühle |
| zusammen | 4.258,07 ha | 95.561,01 M |
1885/88: Gültz als Poststation
Das Handelsadressbuch von C. Leuchs (Band 12: Pommern, Ausgabe 1885–1888) nennt zu jedem Gut nur den Besitzer und die nächste Poststation. Unter „Fernere Gutsbesitzer im Kreise Demmin“ steht schlicht: „Gültz: Hellmuth v. Maltzahn.“ Aufschlussreich ist etwas anderes. Neben Herrmannshöh und Schossow haben auch die Nachbargüter Barkow, Seltz und Tützpatz den Zusatz „(Gültz)“ – ihre Post kam über Gültz. Mit Bahnhof, Post und Telegraf war das Dorf seit 1877 der Verkehrsknoten der Umgebung.
1892: das Schafgut
Das Pommersche Güter-Adressbuch von 1892, herausgegeben im Stettiner Verlag Friedrich Nagel von Paul Niekammer, ist die erste Ausgabe der Reihe, aus der auch die Bände von 1928 und 1939 stammen. Es nennt erstmals den Viehbestand.

| Gut (1892) | Fläche | Pferde | Rinder (Kühe) | Schafe | Anlagen |
|---|---|---|---|---|---|
| Gültz | 1.100 ha | 51 | 140 (109) | 1.600 | – |
| Herrmannshöhe | 726 ha | 44 | 117 (100) | 1.300 | – |
| Schossow | 579 ha | 37 | 78 (56) | 850 | – |
| Werder | 730 ha | 38 | 116 (90) | 700 | Ziegelei |
| Wodarg | 1.123 ha | 48 | 126 (80) | 1.100 | Wassermahlmühle |
| zusammen | 4.258 ha | 218 | 577 (435) | 5.550 |
Besitzer aller fünf Güter ist „von Maltzahn, Helmuth, Freiherr“, bei den Nachbargütern mit dem Zusatz „auf Gültz“; zuständiges Amtsgericht ist Treptow an der Tollense. Flächen und Reinertrag stimmen auf die Mark mit 1884 überein. Beide Bände schöpfen aus derselben amtlichen Grundsteuerveranlagung und bestätigen sich damit gegenseitig. Die Schweine stehen in einer Spalte am Seitenrand, die im Digitalisat bei Gültz und Herrmannshöhe abgeschnitten ist.
1928 und 1939: der moderne Betrieb
1928 war Axel von Maltzahn Besitzer, sein Sohn Helmuth Verwalter in Gültz; die Zahlen stehen im Beitrag über Bahn und Landwirtschaft. In der folgenden Ausgabe – nach dem Inhalt die von 1939 – ist Axels Witwe Helene geb. von Platen als Besitzerin eingetragen, ihr Sohn Helmuth als Generalbevollmächtigter, dazu ein Verwalter. Gültz hat jetzt einen Fernsprechanschluss („Treptow/Toll. 209“), und das Adressbuch verzeichnet Pferdezucht, Herdbuchvieh, den Vermehrungsanbau von Getreide, Klee und Grassamen, drei Lanz-Bulldog-Traktoren, drei Zapfwellenbinder und eine Feldbahn. Hermannshöh mit Marienhöhe umfasst 852 Hektar.
Gültz im Längsschnitt
| Gut Gültz | 1884 | 1892 | 1928 | 1939 |
|---|---|---|---|---|
| Fläche | 1.099,30 ha | 1.100 ha | 1.099 ha | 1.103 ha |
| Pferde | – | 51 | 96 | 82 |
| Rinder (Kühe) | – | 140 (109) | 141 | 186 (83) |
| Schafe | – | 1.600 | 953 | 970 |
| Schweine | – | nicht lesbar | 236 | 250 |
| Bewirtschaftung | Besitzer selbst | Besitzer selbst | Sohn als Verwalter | Generalbevollmächtigter und Verwalter |
Drei Dinge fallen auf. Erstens blieb Gültz über mehr als fünfzig Jahre praktisch gleich groß, rund 1.100 Hektar: Es wurde weder geteilt noch nennenswert erweitert. Zweitens wandelte sich der Betrieb. 1892 war Gültz ein Schafgut mit 1.600 Tieren; bis 1928 sank der Bestand auf unter tausend, dafür wuchs die Schweinehaltung, und die Zahl der Pferde verdoppelte sich fast. Drittens hielt die Technik Einzug: 1939 standen neben 82 Pferden drei Traktoren auf dem Hof.
Was offen ist
- Wodarg hat 1884 und 1892 rund 1.123 Hektar, 1928 als „Wodarg mit Kessiner Wassermühle“ nur noch 929 Hektar. Ob in der Zwischenzeit Land abgegeben oder anders zugeschnitten wurde, wissen wir nicht.
- Das Erscheinungsjahr des jüngsten Bandes erschließen wir aus dem Inhalt (Besitzerin ist die Witwe Axels, der 1931 starb). Das Titelblatt liegt uns noch nicht vor.
- Die Ausgabe von 1914 fehlt uns noch. Sie würde die Zeit zeigen, in der der Bauherr Oberpräsident in Stettin war.
Quellen: P. Ellerholz, Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, I. Preußen, II. Lieferung: Provinz Pommern, 2. Aufl., Berlin: Nicolai 1884, S. 114–123 (Exemplar Bayerische Staatsbibliothek); C. Leuchs, Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbtreibenden, Gutsbesitzer, Bd. 12: Pommern, 7. Ausg. 1885–1888, Nürnberg, S. 59 f.; Pommersches Güter-Adressbuch, Stettin: Friedrich Nagel (Paul Niekammer) 1892, S. 17–25 (Exemplar Bibliothek des Deutschen Museums); Niekammers Güter-Adressbuch Pommern, 8. Aufl. 1928 und Folgeausgabe (wohl 1939), Kreis Demmin, Eintrag Gültz. Digitalisate Google Books bzw. Pomorska Biblioteka Cyfrowa, gemeinfrei; Zahlen von Schloss Gültz am Scan geprüft, Summen nachgerechnet.