Schloss Gültz
Wappen von Maltzahn-Gültz
Schloss Gültz
Historisches Herrenhaus · Anno MDCCCLXXII
Sprache · Language · Język
13. Oktober 20264 Min. Lesezeit

Gültz in Zahlen – das Rittergut in den Güteradressbüchern 1884 bis 1939

Güteradressbücher sind trockene Nachschlagewerke: Tabellen mit Hektar, Mark und Stückzahlen, gedacht für Behörden, Händler und Landwirte. Gerade deshalb sind sie für die Geschichte eines Gutes so wertvoll. Sie erfassen in regelmäßigen Abständen dasselbe – und zeigen so, was sich verändert hat und was nicht. Für Gültz liegen uns jetzt vier Bände vor: 1884, 1892, 1928 und 1939, dazu ein Handelsadressbuch von 1885/88. Die Ausgabe von 1928 haben wir schon im Beitrag über Bahn und Landwirtschaft ausgewertet; hier kommen die übrigen hinzu.

1884: 1.099 Hektar, selbst bewirtschaftet

Das Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche von P. Ellerholz, Band Pommern in zweiter Auflage (Berlin 1884), führt für jedes Gut die Flächen nach Kulturarten, den Grundsteuer-Reinertrag, Besitzer, Pächter, Verkehrsanbindung und Nebenbetriebe auf. Für Gültz steht dort:

Tabellenausschnitt: Gültz, Rtgt., Acker 789,74, Wiesen 149,63, Hutung 13,85, Wald 143,02, Wasser 3,06, Summa 1099,30 Hektar, Grundsteuer-Reinertrag 28476,39 Mark; darunter Herrmannshöh
Gültz und Herrmannshöh im Handbuch des Grundbesitzes, Pommern, 2. Aufl. 1884, S. 116. Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek, Digitalisat Google Books (gemeinfrei).
Rittergut Gültz 1884Hektar
Acker einschließlich Gärten789,74
Wiesen149,63
Hutung13,85
Wald143,02
Wasser3,06
Summe1.099,30
Grundsteuer-Reinertrag28.476,39 Mark

Als Besitzer ist „Hellmuth Baron v. Maltzahn“ eingetragen, ein Pächter oder Administrator nicht: Der Bauherr des Schlosses bewirtschaftete das Gut selbst. Post, Telegraf und Bahnhof lagen im Ort („Gültz P.T.E.“), und in der Kreisbeschreibung heißt es: „Bahnhöfe im Kreise sind: Treptow a. T., Gültz, Sternfeld, Demmin.“

Gültz war nicht das einzige Gut des Bauherrn. Im selben Band stehen unter seinem Namen vier weitere Güter im Kreis Demmin:

Gut (1884)FlächeReinertragVermerk im Handbuch
Gültz1.099,30 ha28.476,39 M–
Herrmannshöh726,02 ha14.568,75 M„Besond. schönes Rindvieh“
Schossow579,01 ha13.577,82 M„Ganz vorzügliche Rindviehzucht, Holl. Race“
Werder729,89 ha19.298,49 MZiegelei
Wodarg1.123,85 ha19.639,56 MWassermahlmühle
zusammen4.258,07 ha95.561,01 M

1885/88: Gültz als Poststation

Das Handelsadressbuch von C. Leuchs (Band 12: Pommern, Ausgabe 1885–1888) nennt zu jedem Gut nur den Besitzer und die nächste Poststation. Unter „Fernere Gutsbesitzer im Kreise Demmin“ steht schlicht: „Gültz: Hellmuth v. Maltzahn.“ Aufschlussreich ist etwas anderes. Neben Herrmannshöh und Schossow haben auch die Nachbargüter Barkow, Seltz und Tützpatz den Zusatz „(Gültz)“ – ihre Post kam über Gültz. Mit Bahnhof, Post und Telegraf war das Dorf seit 1877 der Verkehrsknoten der Umgebung.

1892: das Schafgut

Das Pommersche Güter-Adressbuch von 1892, herausgegeben im Stettiner Verlag Friedrich Nagel von Paul Niekammer, ist die erste Ausgabe der Reihe, aus der auch die Bände von 1928 und 1939 stammen. Es nennt erstmals den Viehbestand.

Tabellenausschnitt: Gültz, Rtgt., 790, 150, 14, 143, 3, Summa 1100 Hektar, Reinertrag 28476 Mark, 51 Pferde, 140 Rinder, davon 109 Kühe, 1600 Schafe; darunter Herrmannshöhe
Gültz und Herrmannshöhe im Pommerschen Güter-Adressbuch, Stettin 1892, S. 18. Exemplar der Bibliothek des Deutschen Museums, Digitalisat Google Books (gemeinfrei).
Gut (1892)FlächePferdeRinder (Kühe)SchafeAnlagen
Gültz1.100 ha51140 (109)1.600–
Herrmannshöhe726 ha44117 (100)1.300–
Schossow579 ha3778 (56)850–
Werder730 ha38116 (90)700Ziegelei
Wodarg1.123 ha48126 (80)1.100Wassermahlmühle
zusammen4.258 ha218577 (435)5.550

Besitzer aller fünf Güter ist „von Maltzahn, Helmuth, Freiherr“, bei den Nachbargütern mit dem Zusatz „auf Gültz“; zuständiges Amtsgericht ist Treptow an der Tollense. Flächen und Reinertrag stimmen auf die Mark mit 1884 überein. Beide Bände schöpfen aus derselben amtlichen Grundsteuerveranlagung und bestätigen sich damit gegenseitig. Die Schweine stehen in einer Spalte am Seitenrand, die im Digitalisat bei Gültz und Herrmannshöhe abgeschnitten ist.

1928 und 1939: der moderne Betrieb

1928 war Axel von Maltzahn Besitzer, sein Sohn Helmuth Verwalter in Gültz; die Zahlen stehen im Beitrag über Bahn und Landwirtschaft. In der folgenden Ausgabe – nach dem Inhalt die von 1939 – ist Axels Witwe Helene geb. von Platen als Besitzerin eingetragen, ihr Sohn Helmuth als Generalbevollmächtigter, dazu ein Verwalter. Gültz hat jetzt einen Fernsprechanschluss („Treptow/Toll. 209“), und das Adressbuch verzeichnet Pferdezucht, Herdbuchvieh, den Vermehrungsanbau von Getreide, Klee und Grassamen, drei Lanz-Bulldog-Traktoren, drei Zapfwellenbinder und eine Feldbahn. Hermannshöh mit Marienhöhe umfasst 852 Hektar.

Gültz im Längsschnitt

Gut Gültz1884189219281939
Fläche1.099,30 ha1.100 ha1.099 ha1.103 ha
Pferde–519682
Rinder (Kühe)–140 (109)141186 (83)
Schafe–1.600953970
Schweine–nicht lesbar236250
BewirtschaftungBesitzer selbstBesitzer selbstSohn als VerwalterGeneralbevollmächtigter und Verwalter

Drei Dinge fallen auf. Erstens blieb Gültz über mehr als fünfzig Jahre praktisch gleich groß, rund 1.100 Hektar: Es wurde weder geteilt noch nennenswert erweitert. Zweitens wandelte sich der Betrieb. 1892 war Gültz ein Schafgut mit 1.600 Tieren; bis 1928 sank der Bestand auf unter tausend, dafür wuchs die Schweinehaltung, und die Zahl der Pferde verdoppelte sich fast. Drittens hielt die Technik Einzug: 1939 standen neben 82 Pferden drei Traktoren auf dem Hof.

Was offen ist

  • Wodarg hat 1884 und 1892 rund 1.123 Hektar, 1928 als „Wodarg mit Kessiner Wassermühle“ nur noch 929 Hektar. Ob in der Zwischenzeit Land abgegeben oder anders zugeschnitten wurde, wissen wir nicht.
  • Das Erscheinungsjahr des jüngsten Bandes erschließen wir aus dem Inhalt (Besitzerin ist die Witwe Axels, der 1931 starb). Das Titelblatt liegt uns noch nicht vor.
  • Die Ausgabe von 1914 fehlt uns noch. Sie würde die Zeit zeigen, in der der Bauherr Oberpräsident in Stettin war.

Quellen: P. Ellerholz, Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, I. Preußen, II. Lieferung: Provinz Pommern, 2. Aufl., Berlin: Nicolai 1884, S. 114–123 (Exemplar Bayerische Staatsbibliothek); C. Leuchs, Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbtreibenden, Gutsbesitzer, Bd. 12: Pommern, 7. Ausg. 1885–1888, Nürnberg, S. 59 f.; Pommersches Güter-Adressbuch, Stettin: Friedrich Nagel (Paul Niekammer) 1892, S. 17–25 (Exemplar Bibliothek des Deutschen Museums); Niekammers Güter-Adressbuch Pommern, 8. Aufl. 1928 und Folgeausgabe (wohl 1939), Kreis Demmin, Eintrag Gültz. Digitalisate Google Books bzw. Pomorska Biblioteka Cyfrowa, gemeinfrei; Zahlen von Schloss Gültz am Scan geprüft, Summen nachgerechnet.

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