✦ Gartendenkmal seit 1840 ✦
Lenné-Park
Ein Meisterwerk preußischer Gartenkunst von Peter Joseph Lenné
Peter Joseph Lenné
Im Jahre 1840 beauftragte Axel Freiherr von Maltzahn den berühmtesten Gartenarchitekten Preußens mit der Gestaltung des Schlossparks: Peter Joseph Lenné, Generaldirektor der königlichen Gärten zu Potsdam und Schöpfer des Tiergartens in Berlin.
Lenné entwarf einen Landschaftspark im englischen Stil, der sich südlich und östlich des später errichteten Herrenhauses erstreckt. Die malerischen Teiche gliedern das Gelände und schaffen reflektierende Wasserflächen im romantischen Sinne.
Der Park gehört zur größten Konzentration von Lenné-Parks in Deutschland – gemeinsam mit den benachbarten Gütern Broock, Kartlow, Kruckow, Plötz, Tentzerow und Wietzow bildet er eine einzigartige Gartenlandschaft im Tollensetal.
Peter Joseph Lenné
1789–1866
Generaldirektor der
Königlichen Gärten zu Potsdam
„Peter Joseph Lenné und die Gutsherren schufen damit im Tollensetal ein bis heute erhaltenes, herausragendes Beispiel der preußischen Landesverschönerung des 19. Jahrhunderts."
— Sabine Bock, Zeitschrift Pommern, Heft 2/2025
Die drei Teiche
Zentrale Gestaltungselemente des Lenné-Parks
Castle Pond
Der größte der drei Teiche liegt unmittelbar südlich des Herrenhauses. Colorado-Tannen und alte Linden säumen sein Ufer. Schwäne beleben die Wasserfläche.
Wind Harp Pond
Mit seiner markanten Landzunge schafft dieser Teich malerische Ausblicke. Der Name verweist auf eine einst hier aufgestellte Äolsharfe – ein romantisches Klanginstrument.
Rose Pond
Der kleinste Teich besitzt eine kleine Insel – ein typisches Element romantischer Gartengestaltung. Seerosen bedecken im Sommer seine Oberfläche.
Originalplan von 1840
Beautification Plan for Gültz
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg · SPSG 3483
Sichtachsen
Weitläufige „Points de vue" über das Tollensetal
Geschwungene Wege
Natürlich wirkende Wegeführung im englischen Stil
Baumgruppen
Malerisch komponierte Gehölzpflanzungen
Historischer Baumbestand
Viele der von Lenné gepflanzten Gehölze haben die Zeiten überdauert
Colorado Fir
Abies concolor
Mehrere stattliche Exemplare am Schlossteich. Die silbrig-blauen Nadeln kontrastieren malerisch mit dem dunklen Wasser.
Bald Cypress
Taxodium distichum
Direkt am Teichufer. Ihre charakteristischen „Kniewurzeln" ragen bei Niedrigwasser aus dem Schlamm.
Copper Beech
Fagus sylvatica 'Purpurea'
Mehrere mächtige Exemplare als Solitäre. Ihr dunkelrotes Laub setzt dramatische Akzente im Grün des Parks.
Plane Tree
Platanus × hispanica
Über 150 Jahre alte Bäume mit charakteristischer Schuppenrinde. Beliebte Solitäre in Lenné-Parks.
Tulip Tree
Liriodendron tulipifera
Nordamerikanischer Exot mit tulpenförmigen Blüten im Juni. Zeugnis des gehobenen Gestaltungsanspruchs.
Pyramidal Oak
Quercus robur 'Fastigiata'
Säulenförmig wachsende Eiche als markanter vertikaler Akzent – typisch für Lenné-Gärten.
Geschichte des Parks
Lenné Beautification Plan
Axel Freiherr von Maltzahn beauftragt Peter Joseph Lenné mit einem „Verschönerungsplan" für das Gut Gültz. Lenné erstellt in diesem Jahr elf Pläne für pommersche Güter im Tollensetal.
Park Creation
Der Landschaftspark wird nach Lennés Plänen angelegt. Die drei Teiche werden ausgehoben, Sichtachsen geschlagen und erste Gehölzpflanzungen vorgenommen.
Manor Construction
Helmuth Freiherr von Maltzahn lässt das heutige Herrenhaus durch Baurath Georg Daniel errichten. Der Park wird an das neue Schloss angepasst.
Expropriation
Die Familie von Maltzahn wird im Zuge der Bodenreform enteignet. Der Park verfällt in den folgenden Jahrzehnten zunehmend.
Heritage Protection
Der Park wird nach § 2 DSchG M-V als Gartendenkmal unter Schutz gestellt. Erste Maßnahmen zur Wiederherstellung beginnen.
Reawakening
Der Park wird behutsam restauriert. Historische Sichtachsen werden freigelegt, der Baumbestand gepflegt und die Teiche entschlammt.
Der Park in Bildern
Den Park erleben
Der Lenné-Park ist Teil des Ensembles Schloss Gültz und kann im Rahmen von Führungen oder bei Veranstaltungen besichtigt werden.
Quellen & Literatur
• Sabine Bock: „Peter Joseph Lenné und das pommersche Tollensetal", Zeitschrift Pommern, Heft 2/2025
• Lutz Mecke, Normann Kühn: „Gülz – Schlosspark", Masterarbeit Hochschule Neubrandenburg (2011)
• Alexander Duncker: „Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen", Band XIII, Blatt 763 (1873)
• Pommersche Lebensbilder, Band II, S. 266–280 (1936)
• Lenné-Plan, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG 3483 (1840)
• Messtischblatt 2245 Gültz, Königlich Preußische Landesaufnahme (1886)
• Anhörung Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zum Denkmalschutz (25.03.2021)